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Carsten Diercks über sein spannendstes Reiseerlebnis

 

Das war 1961 in Kuba. Ich hatte morgens um 6 Uhr gehört, daß in der Schweinebucht 900 Exil-Kubaner gelandet waren und versuchten, Fidel Castro zu stürzen. Ich rief meinen Intendanten an, um sechs Uhr morgens, das ging damals noch, und sagte:“ Ich muß nach Kuba.“ Schon fünf Stunden später saß ich im Flugzeug nach New York, zusammen mit Bernt Engelmann. In New York hieß es, daß alle Flughäfen in Kuba gesperrt sind. Wir fuhren dann zur UNO und trafen dort mit Raoul Rao zusammen, dem kubanischen Außenminister. „Wir wollen nach Kuba. Können Sie uns weiterhelfen?“ „Aus Hamburg kommen Sie? Wo liegt denn das, im Westen oder Osten?“ „Hamburg liegt direkt an der Grenze!“ So wurden wir für Ostdeutsche und damit Kommunisten gehalten und durften als einzige Reporter in Kuba drehen. Der Außenminister gab uns noch ein Empfehlungsschreiben mit. Dort habe ich auch Che Guevara kennengelernt. Er interessierte sich sehr für unsere Aufnahmegeräte, nahm mich plötzlich beiseite und flüsterte mir zu:“ Sie sollten dabei sein, wenn wir in Bolivien landen.“ Ich fühlte mich natürlich sehr geehrt! Wenige Tage später machte ich einen Besuch beim Deutschen Botschafter. Die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland sollte geschlossen werden, weil Fidel Castro die DDR anerkannt hatte und nach der „Hallstein-Doktrin“ mußte die Bundesrepublik nun die Beziehungen zu Kuba abbrechen. Beim Abschiedsbesuch erzählte ich dem Botschafter also von Che Guevara und seinem Vorhaben. Die wollten mir nicht glauben! Zwei Tage später kurz vor meiner Rückreise sitze ich in einem Club in Havanna. Die deutsche Botschaftssekretärin kommt zu mir und stellt mir einen Mann vor, den bolivianischen Botschafter. Der wollte nähere Einzelheiten von mir erfahren, über den geplanten Putsch! Ich versuchte, nicht die Fassung zu verlieren und konnte mich irgendwie herausreden. Schließlich war ich auf Kuba, umgeben von Geheimpolizisten. Ich dachte:“ Wenn sie Dich jetzt festnehmen und verhören, kann Dir keiner helfen.“ Mir fielen auch die amerikanischen Reporter ein, die erschossen worden waren. Nachts um vier klingelte in meinem Hotelzimmer das Telefon. „Es warten zwei Herren in der Halle auf Sie, kommen Sie bitte sofort.“ Ich rief sofort in der deutschen Botschaft an, da ging natürlich keiner ran. Also fuhr ich hinunter. Dort warteten die zwei Herren. „Sie fliegen um 10 Uhr nach Mexiko?“ „Ja, ich fliege morgen nach Deutschland zurück.“ „Sind Sie gesund?“ „Ja ...“ Eine Routine-Frage. Wir sind der Gesundheitsbehörde. Wir fragen jeden Besucher, der das Land verläßt.“ bekam ich einen Stempel in meinen Pass. Beruhigt war ich aber nicht. Die wollten sicher nur kontrollieren, ob ich noch da war und wann abfliege. Am nächsten Morgen begleitete mich ein Botschaftsangehöriger zum Flughafen. hatte ich nachts noch erreicht und er war sofort bereit gewesen, mich zu begleiten. Alle Ausreiseformalitäten verliefen reibungslos und er verließ mit den Worten: „Alles o.k., jetzt kann nichts mehr passieren.“ Um 11 Uhr wartete ich immer mein Flugzeug. Plötzlich die Durchsage:“ Mr. Carsten Diercks, bitte melden

Kurzer Ausschnitt aus dem Dokumentarfilm "Cuba Libre" zum Schweinebucht Desaster im April 1961


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