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Die Vorgeschichte und erste Phase der Fernsehentwicklung in Deutschland:

 

Mit der Entdeckung der nach ihm benannten elektromagnetischen Wellen schafft der Hamburger Heinrich Hertz im Jahr 1886 die theoretischen und praktischen Grundlagen für die Entwicklung des Fernsehens. Drei Jahre zuvor hat Paul Nipkow die erste Skizze für ein elektrisches Teleskop zur Sichtbarmachung von Bildern erstellt. Mit der Erfindung der Braunschen Röhre 1887 liefert Ferdinand Braun das noch fehlende, technische Grundprinzip eines Fernsehgerätes.
Auf der 1. Funkausstellung 1924 in Berlin erzeugt August Karolus mit einem von ihm entwickeltem Apparat mit eingebauter Nipkow-Scheibe zum ersten Mal bewegte Bilder. Die Post beginnt ab 1929 mit dem Fernseh-Versuchsbetrieb in Berlin und vergibt dazu Projektaufträge an die Industrie, darunter auch an die Telefunken-AG. Den ersten Fernseher bietet der Handel 1930 zum Kauf an.

 

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten gerät Hörfunk und Fernsehen in die Zuständigkeit des NS-Propagandaministeriums. Alle wichtigen Stellen in der Rundfunkentwicklung werden nun durch Parteigänger besetzt. Ein regelmäßiger Programmbetrieb startet im März 1935 an drei Tagen pro Woche zu je 90 Minuten. Da kaum Geräte im Handel sind, bleibt das Publikum sehr klein und beschränkt sich bisweilen nur auf einige Parteigänger und Interessenten, die die eigens dafür eingerichteten öffentlichen Fernsehstuben in Berlin und Hamburg besuchen. Das Programm ist in Berlin nur im Umkreis von 60 bis 80 Kilometern zu empfangen.

 

Da das Berliner Programm nicht bis nach Hamburg reicht, präsentiert die Deutsche Reichspost auf dem Heiligengeistfeld am 20. Juni 1935 die erste fahrbare Fernseh-Sendeanlage, bestehend aus 20 Fahrzeugen. An fünf Standorten, darunter auf dem Hapag-Dampfer "Caribia", werden Empfangsstellen eingerichtet, in denen Sport-, Kultur- sowie Live-Sendungen vom Heiligengeistfeld zu sehen sind.
Grandioser Höhepunkt der ersten Fernsehzeit ist die Übertragung der Olympischen Spiele in Berlin, ausgestrahlt im kurz zuvor gestarteten Berliner Fernsehsender "Paul Nipkow". Die 1936 eingeführten elektronischen Kameras ermöglichen erstmalig Direktübertragungen bei Tageslicht in die oft überfüllten Fernsehstuben.
Von 1941 bis 1943 ist das Berliner Programm auch in den Hamburger Fernsehstuben zu empfangen, beispielsweise am Dammtor, in der Schlüterstrasse oder im Postamt Altona.
Vom ersten deutschen Einheitsfernseher "E1" zum Preis von 675 Reichsmark werden bis zum Krieg nur 50 Stück verkauft. Auf Anordnung des Oberkommandos der Wehrmacht wird das Programm von "Paul Nipkow" im August 1939 eingestellt. Die technische Weiterentwicklung des Fernsehens wird mit Beginn des Krieges unterbrochen. Das gesendete Programm läuft nur noch zur Betreuung der Truppen weiter und sendet Musik, Unterhaltung und Propagandanachrichten. Später stehen Empfangsgeräte in fast allen Lazaretten im Berliner Raum, "um unseren verwundeten Soldaten Erholung und Freude zu bringen". Im November 1943 wird der Berliner Fernsehsender im Amerika-Haus von Bomben zerstört.


 

Der Wiederaufbau des Fernsehens in Hamburg nach dem Krieg:

 

1946 beschlagnahmen die britischen Besatzungsmächte alle noch vorhandenen Fernsehgeräte und -einrichtungen. Alliierte verbieten die Produktion und Ausstrahlung des Fernsehens. Doch zwischen Berlin und Hamburg wird ein heimlicher Austausch von Fernsehproduktionsmaterialien aus der Berliner Fernseh-Versuchszeit aufrechterhalten.
Mit einer Verordnung der Britischen Militärregierung wird der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) als Anstalt des öffentlichen Rechts geschaffen, nach dem Vorbild der BBC. Zum Generaldirektor des NWDR wird Adolf Grimme berufen. Er tritt die Nachfolge des von der Britischen Militärverwaltung zum Neuaufbau des Rundfunks eingesetzten BBC-Mitarbeiters Hugh Carleton Greene an. Der NWDR zieht in das alte Funkhausgebäude der NORAG an der Rothenbaumchaussee.
Am 13.8.1948 genehmigt die britische Militärregierung, die bis 1955 die Rundfunkhoheit in ihrer Besatzungszone besitzt, Experimente zur Neuaufnahme des Fernsehbetriebs beim NWDR in Hamburg und Berlin. Auf einer Normenkonferenz im September 1948 in Hamburg werden anschließend die „625-Zeilen-Norm“ und die künftige Verwendung des Farbfernsehstandards NTSC festgelegt.
Hamburg wird somit zum Zentrum des Fernsehens in der Bundesrepublik Deutschland. Gründe dafür sind die gute finanzielle Ausstattung des NWDR, die große Reichweite des Sendegebiets, die Verfügbarkeit von fernsehtechnischen Produktionsressourcen sowie die große Zahl von Fernseh-Fachleuten.

 

Darunter befinden sich jedoch auch sehr viele ehemalige Mitarbeiter des NS-Fernsehens, die nun zum NWDR gekommen sind. Der selbst im Krieg verfolgte Adolf Grimme ernennt am 1.4.1952 Werner Pleister, früherer NSDAP-Anhänger, zum ersten bundesdeutschen Fernsehintendanten.

 

Das NWDR-Versuchsfernsehen ist mit seinen 20 Mitarbeitern zunächst in dem heute nicht mehr existenten kleinen Bunker am St. Pauli-Platz im 12. Stockwerk untergebracht. Später zieht man in den großen Bunker an der Feldstrasse, in dem heute Büros und Fotoateliers zu finden sind. Am 1. Juli 1950 wird vom Luftschutzbunker auf dem Heiligengeistfeld das erste Testbild nach Kriegsende gesendet.
Am 9.6.1950 schließen sich die sechs deutschen Rundfunkanstalten HR, RB, BR, SDR, SWF und NWDR zur ARD, der "Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten" zusammen, um das bundesdeutsche Fernsehen vorzubereiten und die erheblichen Kosten untereinander aufzuteilen. Zwischen Hamburg und West-Berlin baut die Post währenddessen die damals längste Fernsehbrücke der Welt.
Am 27.11.1950 startet das offizielle Versuchsprogramm des Nordwestdeutschen Fernsehdienstes (NWDF) aus dem Bunker in Hamburg. Man sendet montags, mittwochs und freitags von 20 bis 22 Uhr. Die Bilder sind zu dieser Zeit schwarz-weiß, Farbfernsehen gibt es erst ab 1967. Gezeigt werden live aufgeführte Fernsehspiele und Sendungen. Um die langen Umbaupausen zwischen den einzelnen Ausstrahlungen zu überbrücken, werden Kulturfilme gezeigt. Über die Anfänge des Versuchsfernsehens sagt Jürgen Roland, der damalige Moderator der Sendung „Was ist los in Hamburg?“: „Wir mussten unsere Interviewgäste teilweise danach aussuchen, ob sie jung und kräftig genug waren, 12 Stockwerke hochzusteigen, denn die anderen Firmen im Bunker, die die Paternoster (Aufzüge, Anm. der Redaktion) finanzierten, stellten sie um sieben Uhr abends ab.“
Während das Fernsehen in den USA bereits 18 Millionen Fernsehzuschauer hat, sind in Deutschland zur selben Zeit, also 1952, nur etwa 2000 Geräte verkauft. Die meisten Menschen kennen das Fernsehen nur aus den Schaufenstern der Hersteller.

 

Der Neubeginn des Fernsehprogramms in Deutschland:

 

Am 25.12.1952, am ersten Weihnachtsfeiertag, erfolgt der langerwartete Start des regelmäßigen Programms des deutschen Fernsehens. Um 20 Uhr eröffnet Intendant Dr. Werner Pleister das Programm mit den Worten:
"Das Fernsehen schlägt eine Brücke von Mensch zu Mensch, von Völkern zu Völkern. ... Wir versprechen Ihnen, uns zu bemühen, das neue, geheimnisvolle Fenster zu Ihrer Wohnung, das Fenster in die Welt, mit dem zu erfüllen, was Sie interessiert, Sie erfreut und Ihr Leben schöner macht."
Anschließend werden die Fernsehspiele "Stille Nacht" und "Max und Moritz" live im Studio aufgeführt. Dazwischen gibt es eingespielte Grüße von Fernsehsendern aus aller Welt zum deutschen Fernsehstart. Die Schauspielerin Irene Koss vom Flensburger Stadttheater ist die erste Ansagerin im deutschen Nachkriegs-Fernsehen. Um 21:58 verkündet sie den Zuschauern: "Wir sehen uns morgen wieder."

 

Die DDR hat unterdessen den Wettlauf um den Fernsehstart gewonnen. Sie sendet ihr Fernsehprogramm schon ab dem 21.12.1952, dem Geburtstag Stalins und kommt der BRD vier Tage zuvor.
Einen Tag nach Fernsehbeginn wird die erste Ausgabe der "Tagesschau" gesendet, die zuvor im Testbetrieb noch den Namen "Tagesbild" getragen hat. Sie läuft dreimal pro Woche, und der erste Sprecher, Cay Dietrich Voss, bekommt  20 DM pro Sendung. Die damalige "Tagesschau“ ist ein Zusammenschnitt von nicht verwendetem Wochenschau-Material. Da sie jedoch viel mehr Filme benötigt als ihr „Lieferant“, drehen die Wochenschau-Reporter bald zusätzliches Material. Ab dem 1.4.1955 arbeitet die "Tagesschau" mit einem eigenem Reporter-Team unabhängig von der Wochenschau. Verantwortlich für die Sendung ist der frühere Hörfunkpublizist Martin S. Svoboda. Erst seit Oktober 1956 wird die „Tagesschau“ täglich ausgestrahlt. Ihr bekanntester Sprecher wird Karl-Heinz Köpcke. Da nur wenige Menschen in Hamburg Fernsehgeräte besitzen, werden zwei Fernsehstuben geschaffen, eine vom "Hamburger Abendblatt" und eine von der "Hamburger Freie Presse". Das Interesse der Zuschauer ist groß. Die Fernsehstuben und Gaststätten mit Geräten sind überfüllt, und viele Leute stehen abends vor den Schaufenstern der Hersteller, um die Bilder zu sehen. Bei einigen Geschäften wird der Ton ebenfalls nach außen übertragen.
Das NWDR-Programm ist zu dieser Zeit eine Mischung aus Live-Sendungen und Filmen. Die MAZ-Technik, die magnetische Aufzeichnungen ermöglicht, ist erst ab 1958 verfügbar. Das am häufigsten gezeigte Format sind Studiogespräche mit Prominenten. Beliebt sind auch Reiseberichte oder Gesprächsrunden zu politischen Themen. Ebenfalls im Programm sind Sendungen über Tiere, Ratgeber mit Kochrezepten und Modetipps sowie Unterhaltungssendungen für Kinder.

 

Die Entwicklung des Fernsehens in den ersten Jahren nach Sendebeginn:

 

Am 1.1.1953 verlangt die Post zum ersten Mal Fernsehgebühren von 5 DM pro Empfangsgerät. Im selben Jahr erfolgt der Umzug des NWDR in die neu gebauten Studios in Hamburg-Lokstedt. Aus diesen wird ab Herbst 1953 täglich gesendet.
Da Außenübertragungen im Fernsehen damals schwer zu kalkulieren sind, werden sie nur selten durchgeführt. Die erste Übertragung im Freien wird von der Gartenschau auf dem Heiligengeistfeld gesendet, nicht weit weg vom Fernsehbunker. Das erste live gesendete Fußballspiel ist die Partie St. Pauli gegen Hamborn 07 am zweiten Sendetag des NWDR. Oftmals werden an Feiertagen Gottesdienste live übertragen. Die erste Bundestagsdebatte wird im Oktober 1953 gesendet.
Im Programm werden nun viele Krimis und Fernsehspiele gezeigt, letztere sind stark am Theater orientiert. Sehr beliebt beim Publikum sind die ersten Quizsendungen, z.B. "Wer gegen wen?" mit Hans-Joachim Kuhlenkampf oder "1:0 für Sie" mit Peter Frankenfeld.

 

Am 29.5.1953 wird die Krönung der englischen Königin Elisabeth zeitgleich im Fernsehen übertragen. Dieses Großereignis begeistert die deutschen Zuschauer vollends für das TV. Die erste Ausgabe vom "Wort zum Sonntag" läuft 1954. Mit ihren Auftritten im Ohnsorg-Theater wird Heidi Kabel zum Fernsehstar. Im selben Jahr startet die erste deutsche Familienserie: "Unsere Nachbarn heute Abend: Die Familie Schölermann". 1954 spaltet sich das Studio Berlin vom NWDR ab und gehört nun zum "Sender Freies Berlin" (SFB).
Die Ausstrahlung der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 verhilft dem Fernsehen zu großer Popularität. Deutschland wird Weltmeister, und dieser Pokal ist Trost für die geschundene Nachkriegsnation ("Wir sind wieder wer!"). Die Verkäufe von Fernsehern nehmen durch die Fußball-WM rasant zu, laut Bundespost kostet ein Gerät zu dieser Zeit 700 DM.

 

Im Oktober 1954 hat die Post den Ausbau des Fernsehnetzes durch den bundesweiten Bau eines Richtstreckennetzes abgeschlossen. Am 1.11.1954 löst daraufhin das gemeinsame "Deutsche Fernsehen", das ARD-Gemeinschaftsprogramm, den alleinigen Sendebetrieb des NWDR ab. Nun sind 14 Sender der ARD am Fernsehen beteiligt, entsprechend vergrößert sich das Sendegebiet. 1955 sind 100.000 Zuschauer erreicht.
Ergänzend zu den täglich ausgestrahlten Nachrichten der „Tagesschau“ führt der NWDR neue Formate ein, um die Zuschauer politisch zu informieren. In der bekannten Dokumentarfilmreihe "Bilder aus der Neuen Welt" berichtet der NWDR-Korrespondent Peter von Zahn über die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Amerika. Gleichzeitig drehen die Journalisten Rüdiger Proske, Max Helmut Rehbein und der Kameramann Carsten Diercks politisch brisante Dokumentarfilme in aller Welt. Der Name "Hamburger Schule" kennzeichnet den typischen Stil des Dokumentarfilms vom NWDR, der national und international bekannt wird.
Am 16.2.1955 entsteht die Dreiländeranstalt NDR, nachdem die NWDR-Länder Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg ihre Zusammenarbeit in einem Staatsvertrag vereinbart haben. Am 11.9.1956 erfolgt die bereits erwartete Teilung des NWDR in NDR und WDR. Gründe dafür sind programmpolitische Differenzen mit den konservativen politischen Parteien und der Landesregierung von Nordrhein-Westfalen.
Ab 1957 kommen auch die ersten Fernsehfilme ins Programm. Viele Künstler und Literaten lehnen das Fernsehen als Medium allerdings immer noch ab. Daher schreiben bis weit in die 1960er Jahre sehr wenige Autoren Drehbücher dafür. Ende 1958 sind bereits zwei Millionen Zuschauer registriert. Das Fernsehen wird somit als Massenmedium anerkannt, aufgrund seiner breiten Öffentlichkeitswirkung auch inhaltlich zunehmend geschätzt und ernstgenommen.

 

Literaturangaben:

Krüger, Wolfgang: Die Geschichte des deutschen Fernsehens, Bonn: ZV Zeitungs-Verlag Service 1997 (Reihe: Düsseldorfer Medienwissenschaftliche Vorträge).

Hickethier, Knut unter Mitarb. von Hoff, Peter: Geschichte des deutschen Fernsehens. Stuttgart und Weimar: Metzler-Verlag, 1998.

Der Hamburger Regisseur Jürgen Roland: Vom Hörbild zur Fernsehreportage. In: Hamburger Flimmern Nr. 7/ 2000, S. 10-17

Vogel, Gerhard: Die Zeit von 1934 bis 1952: Als das Fernsehen nach Hamburg kam. In: Hamburger Flimmern Nr. 7/ 2000, S. 26-30

Vogel, Gerhard: 50 Jahre Fernsehen aus Hamburg: Das Programm vor dem "offiziellen" Beginn. In: Hamburger Flimmern 9/2002, S. 15-17


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