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Single-8 von Fuji:

Verspätete Laudatio an das bessere System

Von Jürgen Lossau

Die Kassette: genial einfach. Der Film: identisch mit Super-8. Das Material: dünner, reißfester Polyester. Und doch wurde aus dem besseren System nicht das meistgekaufte. Die Rede ist von Single-8, dem Schmalfilmverfahren, das in Deutschland nicht so recht beachtet wurde.

Um 1960 herum stagniert der Schmalfilmmarkt weltweit. Nicht jeder Mensch, der freudig fotografiert, taugt auch zum Doppel-8-Filmer. Denn das lästige Einlegen der offenen Spulen bei gedämpftem Licht und das Umdrehen nach weniger als zwei Minuten Filmen - das ist nichts für den Massenmarkt. Deshalb ersinnt Kodak Super-8. Der Film ist in der Kassette versteckt, kann bei jedem Licht gewechselt werden und reicht für dreieinhalb Minuten. Damals ein Meilenstein für Filmer, auch wenn wir heute dank ellenlanger Videobänder andere Laufzeiten gewohnt sind.

Doch Super-8 hat zwei entscheidende Nachteile: die Abwickel- und die Aufwickelspule sind nebeneinander angeordnet; längeres Rückspulen ausgeschlossen. Außerdem ist die Filmandruckplatte in die Kassette integriert - ein Kunststoffteil von geringer Präzision.

 

Als Fuji 1965 mit Single-8 auf den Weltmarkt kommt, ist sofort ersichtlich: das ist das bessere System. Da die Spulen wie in der Musik-Kassette (MC) angeordnet sind, läßt sich der Film für Doppelbelichtungen vollständig zurückspulen oder er kann rückwärts belichtet werden. Die Andruckplatte bleibt Element der Kamera und ist präzise aus Metall gefertigt. Das gegenüber Kodaks Super-8- Acetatfilm um 30% dünnere Polyestermaterial ist reißfest, läßt sich allerdings nur trocken - mit Folien - kleben. Und Fuji bringt Emulsionen für Kunstund Tageslicht auf den Markt, während bei Kodak stets ein Konversionsfilter in der Kamera eingeschwenkt werden muß, wenn bei Sonnenschein gefilmt wird. Kodak stellt nur Kunstlichtfilme für Super- 8 her.

Neben Fuji präsentieren 1965/66 in Japan Elmo, Yashica, Canon und Konica Filmkameras für das neue System. Konica und Yashica verschenken jedoch die Vorteile des Single-8-Verfahrens und verzichten bei allen Modellen auf Rückspulmöglichkeit.

Elmo vollbringt hingegen das Meisterwerk, ein Kameramodell für alle gängigen Systeme auf den Markt zu werfen. Die C-300 hat abnehmbare Rückteile für Normal-8, Super-8 und Single-8, kurz darauf kommt noch ein großes Doppel-Super-8- Magazin (für 16mm breiten, lose auf Spule gewickelten Film) dazu. Eine geniale Spielerei, aber wer will schon mit mehreren Formaten drehen?
Trotzdem bleibt Elmo einzig ernstzunehmender Partner im Single-8-Geschäft mit Fuji. Anfangs hat Agfa noch mit einer Kooperation bei der Filmfertigung geliebäugelt, aber außer ein paar Mustern ist daraus nichts geworden. Leider weiß bei Agfa heute offenbar niemand mehr, warum die Zusammenarbeit scheiterte. Die mir vorliegende Kassette enthält 10 Meter (dickes) Acetatmaterial und hätte nur gut zwei Minuten Laufzeit in der Kamera gehabt. Ein entscheidender Nachteil gegenüber Kodaks 15 Meter Super-8-Kassette. Vielleicht, so läßt sich mutmaßen, kam Agfa mit dem von Fuji benutzten dünnen Polyestermaterial, das 15 Meter Kassetteninhalt ermöglicht, in der Forschung und Produktion nicht zurande.

 

Elmo baut Kameras, die die Vorteile von Single-8 konsequent nutzen. Häufig sind die Elmos den Modellen von Fuji sogar weit überlegen. Die Elmo-Kameras können motorisch vorwärts und rückwärts filmen, was bei Fuji nur die extrem teure Systemfilmkamera ZC1000 zuwege bringt. Verstellbare Sektorenblende, Einzelbildzählwerk oder ein Spiegel, der in den Strahlengang des Objektivs Titelbuchstaben und Nahaufnahmen einfügen kann, machen die Elmo-Modelle für Trick-Tüftler interessant. In Deutschland sind diese Kameras nach 1970 allerdings nicht mehr zu haben. Elmo konzentriert sich hier auf Super-8. Da Fuji in den Niederlanden mit Single-8 einen Marktanteil von 30 Prozent hält, bleibt Elmo dort mit Super-8 und Single-8 im Markt. Die meisten Abnehmer hat Single-8 freilich in Japan, wo lange 70 bis 80 Prozent des Schmalfilmmarktes von dieser Erfindung gehalten werden.

 

Einige Meilensteine in der Fuji-Entwicklung sollen hier aufgelistet sein. Mit dem Modell Z2A versucht der Konzern um 1970 in den professionellen Bereich vorzustoßen. Mittels Timer und Spezialprojektor soll die Kamera Verkehrsbewegungen aufzeichnen und in Banken für Sicherheit sorgen. Das Modell verschwindet kurz darauf wieder vom Markt. Etwa 1971 kündigt Fuji eine Lichttonfilmkamera für Single-8 an, die ZS400. Ob das Modell, von dem Fotos existieren, je gebaut wird, ließ sich bisher nicht klären. Skurril wäre eine solche Kamera allemal, denn die Lichttonlampe belichtet den Film schließlich unveränderbar, so daß spätere Korrekturen - wie beim Magnetton - ausgeschlossen wären. Die ZS400 ist die einzige Schmalfilmkamera der Welt für Lichtton.

 

1973 bringt Fuji eine völlig unkomplizierte kleine, lichtstarke Kamera mit großem Hellsektor der Umlaufblende heraus. Mittels 1:1,1 Objektivöffnung und dem hochempfindlichen RT 200 (ASA 200) Kunstlichtfilm ist diese Konstruktion die lichtstärkste Schmalfilmkombination der Welt - und vermutlich auch die meistverkaufte Single-8-Kamera überhaupt. 1974 wagt Fuji mit der ZC1000 den Einstieg in den semiprofessionellen Bereich. Ein 10- fach Zoomobjektiv, nur manuell zu bedienen, in C-Mount-Wechselfassung und ein Schwingspiegel (sonst nur bei Beaulieu Super-8-Kameras bekannt), der für 100% Licht im Sucher und auf dem Film sorgt, sind die herausragenden Merkmale. Die stufenlos verstellbare Sektorenblende, das digitale Einzelbildzählwerk, der auch rückwärts laufende Motor und die mit 72 Bildern pro Sekunde extreme Zeitlupe kommen hinzu.

 

Parallel zu Kodak bringt Fuji 1975 Magnettonfilmkameras heraus. Beide Verfahren haben den Nachteil, daß der Ton 18 Bilder vor dem zugehörigen Einzelbild aufgezeichnet wird. Schließlich muß ja die kontinuierliche Bewegung am Tonkopf in eine ruckartige am Bildfenster umgesetzt werden. Das macht den Schnitt solcher Filme nicht gerade einfach. Aber immerhin läßt sich der Ton anlöschen, ganz löschen oder ergänzen. In diesem Stadium verspielt Fuji allerdings viele Vorteile von Single-8. Die Tonfilmkameras sind meist spartanisch ausgestattet, können häufig nicht mal den Film rückwickeln. Und wenn, dann nur manuell, was für präzise Überblendungen von Bild und Ton meist nicht ausreicht. Verschiedene Filmlaufgeschwindigkeiten oder variable Sektorenblende sucht man ebenfalls vergebens. Ab 1979 wird lediglich ein klobiges Autofocus-Modell geboten. Und dann geht es ja auch schon ganz schnell abwärts, weil es mit Video aufwärts geht. Im Frühjahr 1983 laufen die letzten Kameras vom Band.

Single-8-Filme, so heißt es bei Fuji, tragen als letztes Verfallsdatum 2/96 und sollen bis Ende 1996 bei Photex in Willich entwickelt werden. Jetzt sind in England jedoch Packungen mit Aufdruck 2/97 aufgetaucht und Fuji bastelt an einem Weg, die in Europa zur Entwicklung geschickten Kassetten einmal monatlich nach Japan zu senden. Offiziell heißt es, Fuji würde in Japan keine Filme mehr herstellen. Aber nicht immer weiß man in der Düsseldorfer Europa-Zentrale des grünen Riesen so recht, was die Konzernmutter in Tokio treibt. Und so bleibt den wenigen treuen Single-8-Filmern die vage Hoffnung, noch lange mit Filmen versorgt zu werden.


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