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Kinokarten von Beckerbillet Hamburg:

Vom Bleisatz-Billet zum Thermo-Ticket

Von Eggers Woost

Wenige Monate nach Kriegsende erhielten die unbeschädigt gebliebenen oder schon wieder hergestellten Hamburger Lichtspielhäuser von der britischen Besatzungsmacht nach und nach Spielerlaubnis und durften ihren Kinobetrieb wieder eröffnen. Zu den ersten lizenzierten Kinos gehörte das „Waterloo“ in der Damtorstraße, das sich nach der Beschädigung der Bombenschäden am Gebäude schnell zum angesehensten Erstaufführungskino Hamburgs entwickeln sollte.

 

Die junge Firma Beckerdruck wurde im September 1945 von der britischen Militärregierung, die auch das Papier lieferte mit dem Druck der Eintrittskarten für das „Waterloo“ beauftragt. Die Kopfzeile der Kinokarte verkündete stolz: „Waterloo, Perle an der Alster“. Die Festschrift der Druckerei zum 50jährigen Bestehen berichtet von den damaligen Schwierigkeiten mit Papierknappheit und Stromsperre.

 

Für den traditionellen Bleisatz im Buchdruckverfahren entwickelte man nach vielen Versuchen ein System von Satzkarten, das die von Karte zu Karte wechselnden Angaben für Platz, Reihe, Datum und Uhrzeit ermöglichte. Das für den Bleisatz erfundene System bewährte sich und blieb bis Anfang der siebziger Jahre Grundlage für den Druck der meisten Eintrittskarten für Kino, Theater und andere Veranstaltungen.

 

Den eigendlichen Erfolg hatte „Beckerbillet Hamburg“, wie die Firma ab 1948 heißt mit ihren Rollenkarten, die bald an viele Orte in Westdeutschland geliefert wurden. Der Kinoboom der 50er Jahre gipfelte in Westdeutschland im Jahre 1956 mit einem Besucherrekord von 817,5 Millionen Kinobesuchern. Damals hatte also wohl fast jeder westdeutsche Bürger Rollenkarten von Becker in der Tasche. Die Rollenkarten findet man bis heute in vielen Bereichen, als Eintrittskarten zu Veranstaltungen aller Art, als Essensmarke, als Garderobenmarke und für viele andere Zwecke. Große Vorteile bietet auch der Druck auf verschiedenfarbigem Papier, der im Kino auch bei schwacher Beleuchtung die sichere Unterscheidung zwischen Sperrsitz, Rang, Balkon oder in neuerer Zeit zwischen den vielen Vorführsälen in den Schachtelkinos ermöglicht.

 

1992 entstand der knapp 20minütige Kurzfilm „Beckerbillet“ von Robert Bramkamp über die Herstellung der Kinokarten und ihre Bedeutung, u.a. als Kontrollsystem (Uraufführung am 3. Mai 1992 im Rahmen eines Kurzfilmprogramms im kommunalen Kino „Metropolis“). Beckerbillet nennt seine Karten gem „Informationsträger“, weil sie – bedruckt oder magnetisiert – vielerlei Daten speichern, den Kunden Zusatzinformationen bietet und nicht zuletzt auch Image- und Werbeträger sind.

 

Vielfach finden wir heute an den Kinokassen Blanko-Tickets, die erst direkt beim Verkauf durch Thermodirektdrucker zur eigentlichen Karte aufgewertet werden. Die Kinokasse wird zum Computerticket-Schalter.

 

Fazit: Auch die Geschichte der Kinokarte spiegelt die rasante Entwicklung der Drucktechnik vom Bleisatz zum computergesteuerten Thermodruck.

 


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