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Zeitgeschichte im Hamburg Journal des NDR Fernsehens:

Hamburg damals

Von Christian Mangels

Historische Filmdokumente zur Geschichte Hamburgs haben im Hamburg Journal des Norddeutschen Rundfunks einen regelmäßigen Sendeplatz: Die Magazinbeiträge der Rubriken „Hamburg damals“ und „Hamburg im 20. Jahrhundert“ sind inzwischen zu einer guten Tradition geworden. Seit 1993 gehören sie zum festen Erscheinungsbild im Hamburger Regionalfenster des NDR-Fernsehens.

 

Seit dieser Zeit produziere und bearbeite ich einen Großteil dieser historischen Beiträge für das Hamburg Journal. Für mich als Historiker hat der Umgang mit dokumentarischem Filmmaterial als geschichtliche Quelle einen ganz besonderen Reiz. Ich möchte hier auf die historischen Beiträge im Hamburg Journal eingehen und versuchen, Herausforderung und Problematik, Bebilderungsmöglichkeiten und Materiallage zu erläutern.

 

Häufig wird für die Beiträge ein runder Jahrestag zum Anlass genommen. Das Themenspektrum reicht von der „Einweihung des Europakollegs“ vor 50 Jahren (1955) oder der russisch-orthodoxen Kirche in Stellingen vor 40 Jahren (im September 1965), über den „Besuch der britischen Königin Elizabeth II.“ vor 40 Jahren (Mai 1965), oder den „Bezug der ersten Grindelhochhäuser“ vor 55 Jahren (1950) bis hin zur der Randale beim Konzert der Rolling Stones (September 1965) oder zur Eröffnung von Planten un Blomen vor 70 Jahren (Juni 1935).

 

„Hamburg im 20. Jahrhundert“ und „Hamburg damals“ – das sind Beiträge von etwa 2 bis 5 Minuten Länge. Die Grundgedanken der beiden Reihen unterscheiden sich: Während die „Hamburg damals“-Beiträge vor allem den Zeitgeist vermitteln, erinnern die Beiträge „Hamburg im 20. Jahrhundert“ an unterschiedlichste Ereignisse der Hamburger Geschichte – quer durch das vergangene 20. Jahrhundert.

 

In der Rubrik „Hamburg im 20. Jahrhundert“ laufen Beiträge, die mit Hilfe diversen Archivmaterials neu erstellt werden. Der Reiz – zugleich aber auch die Herausforderung – liegt dabei im Recherchieren und Suchen geeigneten Materials zur Bebilderung des jeweiligen Ereignisses. Wie lässt es sich überhaupt darstellen? Was gibt es an historischem Material dazu? Liegt Filmmaterial vor? Gibt es Fotos? Welche Archive verfügen darüber? Zu welchen Konditionen ist das Material verfügbar?

 

Für die Zeit von den 1950er Jahren an findet sich Material im Fernseharchiv des NDR. Hintergrund: der Sendebeginn des Deutschen Fernsehens war Weihnachten 1952. Von diesem Zeitpunkt beginnt auch die Archivierung von Sendungen. Für Themen mit Hamburg-Bezug bergen besonders die Sendungen des 1957 beginnenden Regionalprogramms (insbesondere die „Nordschau“ und die „Berichte vom Tage“) einen großen Materialfundus. Daneben findet sich Material in historischen Tagesschau-Sendungen, in Features, Dokumentationen und Magazinsendungen aus mittlerweile mehr als 50 Jahren Fernsehgeschichte.

 

Die Filme aus der Anfangszeit des Fernsehens sind zum Teil im Rahmen der Archivsicherung des NDR auf digitale Betacam-Formate überspielt worden. Oft liegen sie aber noch auf 35mm oder auf 16mm Film vor (die Arbeit mit diesem originalen Trägermaterial übt durchaus eine Faszination aus). Doch viele Themen lassen sich nicht aus Beständen des NDR-Archivs allein bebildern: Besonders für Rückblicke auf Ereignisse aus der Zeit „vor Beginn der Fernseh-Zeit“, also vor Mitte der 50er Jahre, hilft Material anderer Archive weiter: In erster Linie hervorzuheben sind hier die Bestände des historischen Filmarchivs des früheren „Landesmedienzentrums Hamburg“ (heute integriert in das „Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung“). Diese einmalige Filmsammlung ist ein wichtiger Grundstock zur Bebilderung der Geschichte der Hansestadt besonders in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

 

Daneben wird immer wieder auch Material aus dem Archiv der Deutschen Wochenschau oder des Bundesarchivs in Berlin, aber auch anderer, z.T. privater Archive herangezogen. Um dem Anspruch historischer Authentizität gerecht zu bleiben, müssen mitunter Fotos weiterhelfen: Zu vielen Ereignisse sind zwar Fotodokumente, nicht aber Filmaufnahmen bekannt (z.B. die Novemberrevolution von 1918 oder der Ausbruch des Ersten Weltkriegs in Hamburg). Die Foto-Bestände des Hamburger Staatsarchivs z.B. sind bei der Erstellung von Fernsehbeiträgen über derartige wichtige Ereignisse des 20. Jahrhunderts von unschätzbarer Hilfe.

 

Die Frage „Wie bebildere ich ein historisches Ereignis? Wie lässt es sich visuell aufbereiten?“ ist eine der großen Herausforderungen beim Erstellen eines Beitrages: Jeder Fund aussagekräftigen Materials ist ein Erfolg. Doch jedes Bild muss zunächst zugeordnet werden: Die Klärung der Rechtsverhältnisse des Materials ist in jedem Falle wichtig und unverzichtbar, mitunter aber auch mühselig. Wo liegen die Senderechte am jeweiligen (noch so kleinen) Filmausschnitt oder Foto? Gegebenenfalls anfallende Kosten müssen vor Verwendung im Programm mit der Redaktion abgesprochen werden.

 

Auf dem Sendeplatz „Hamburg damals“ laufen sonnabends im Programm des Hamburg Journals unter anderem auch Filmbeiträge „von damals“ in ursprünglicher Form - d.h. sie werden 1:1 einschließlich der originalen Sprachaufnahme von damals wiederholt. Damit sind sie sowohl Zeugnisse des Zeitgeistes und der Stimmungen, aber auch der Art des Filmemachens ihrer jeweiligen Entstehungszeit. Das Spektrum reicht weit: Von „Jugendschutztrupps auf St. Pauli“ (1968) über den „Stress mit Radlern“ (1981), „Weihnachten bei der Heilsarmee“ (1966), oder einem Portrait über Hamburgs „Sprengmeister Merz“ (1960) bis hin zum Bericht über den „Stand der Fernseh-Sendetechnik“ (1951: einer der frühesten Filme im NDR-Archiv). Es ist insgesamt ein bunter Querschnitt von Reportagen aus der Frühzeit des Fernsehens bis hin zu Beiträgen aus der Zeit vor 20 Jahren, Mitte der 80er Jahre. Diese Filmdokumente, zumeist aus dem NDR-Archiv, lassen die jeweilige Zeit auf besondere Weise wieder präsent werden. Sie rufen bei den Zuschauern Erinnerungen wach, dokumentieren sowohl historische Großereignisse, als auch den Alltag der Hamburger: Reportagen und Berichte, Glossen und feuilletonistische Betrachtungen spiegeln Daten und Fakten, Normalität und Gewohntes, aber auch Skurrilität oder Provokation wider.

 

Im Laufe der Zeit verdichtet sich so ein facettenreiches Bild der Geschichte der Hansestadt aus immer wieder unterschiedlichen Blickwinkeln und Perspektiven.

 

Zugleich werden damit auch Archiv-„Schätze“ gehoben: selten gezeigtes Filmmaterial wird neu erschlossen und dadurch der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Wenn es sich anbietet, werden diese historischen Beiträge „aktualisiert“ mit Hilfe neu gedrehter Zeitzeugen-Interviews: Den Protagonisten eines Films z.B. 40 Jahre später wieder zu sehen und ihn sein Leben damals in der Rückschau kommentieren zu lassen, ist außerordentlich ansprechend.

 

Die große Zuschauernachfrage nach „Hamburg damals“, d.h. nach historischer Hamburg-Berichterstattung führte dazu, „Hamburg damals“ auch als einstündige Produktionen zu senden:

 

Nachdem in den vergangenen Jahren drei Dokumentationen zu den Jahren 1950-1954, 1955-1959 und 1960-1964 ausgestrahlt worden sind, zeigte der NDR eine 60-minütige Dokumentation „Hamburg damals. Die Jahre 1965-1969. Zeitgeist – Ereignisse – Erinnerungen“ am 28.Oktober um 20.15 Uhr.

 

Zu Dokumentarmaterial über Alltag und Leben, große Ereignisse und Kuriositäten in Hamburg jener Jahre erinnern sich Hamburger, die diese Zeit miterlebt und mit gestaltet haben: Willi Bartels, der „König von St. Pauli“, Rocksängerin Inga Rumpf, der damalige Student und spätere Staatsrat Gert Hinnerk Behlmer, der Fotograf und Journalist Günter Zint und der damalige Wirtschaftssenator Helmuth Kern kommen zu Wort.

 

Dieser Ausflug in die zweite Hälfte der 60er Jahre soll unterhalten und informieren, Stimmungen verdeutlichen und auch beim Zuschauer Erinnerungen wecken: Nicht nur an lange Haare und „Gammel“, an Hippies und „Blumenkinder“, an „Love-Ins“ und „Teach-Ins“, an „Rocker“ mit knatternden Mopeds und an Hare-Krishna-Jünger mit Trommeln und Trance. Es ist ein Rückblick auf das Hamburg in der zweiten Hälfte der 60er Jahre – in einer Zeit weitreichender gesellschaftlicher Veränderungen für die größte Stadt Westdeutschlands. Die Studentenbewegung stellt überkommene Strukturen in Frage: „Unter den Talaren Muff von 1000 Jahren“. Nach Demonstrationen gegen den Schah-Besuch 1967 erreichen die Proteste gegen die Staatsautorität 1968 einen Höhepunkt. Die britische Königin Elizabeth II. verleiht der Stadt mit ihrem Staatsbesuch 1965 ganz besonderen Glanz. Im Jahr darauf, 1966, entsteht ganz nach englischem Vorbild auf der Moorweide eine „Meckerecke“ – im Stil der „Speaker´s Corner“ im Londoner Hydepark. Musikbands mit großen Namen setzen Akzente und heizen den Fans ein: 1965 spielen die „Rolling Stones“ in der Stadt, 1966 kommen die „Beatles“ zurück nach Hamburg – ihr letzter Auftritt in der Hansestadt. Während die Fans bei diesen Konzerten drinnen begeistert vor der Bühne jubeln, gibt es draußen, auf den Straßen, Krawalle. Im Hafen wird 1968 das erste Vollcontainerschiff abgefertigt: Das beginnende Container-Zeitalter verändert Arbeitsabläufe und Arbeitsbedingungen an den Kais. So kann Hamburg seinen Ruf als „schneller Hafen“ behaupten.

 

Die Dokumentation „Hamburg damals. Die Jahre 1965-69“ ist nicht nur ein nostalgischer Rückblick, sondern sie erzählt auch Geschichten über die Stadt und ihre Bewohner. Die bisher erschienenden vier Folgen „Hamburg damals“ werden übrigens von der Fernsehallianz auch als DVD über Buchhandel und Kaufhäuser vertrieben.

 


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