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Der Mann der Projektoren schuf:

Ein 8mm-Tonprojektor, den es nicht zu kaufen gab: „Zeis Ikon Moviton“

Glanzstück der Entwicklung von Heinz Thiele, 1958

Von Jürgen Lossau

1935 sieht er auf der Funkausstellung in Berlin das „AEG Magnetophon K1" - fortan lassen ihn Schallwellen nicht mehr los. Diplom-Ingenieur Heinz Thiele wird 1950 Entwicklungschef für Tontechnik bei Zeiss Ikon. In Kiel und Stuttgart arbeitet er an Lautsprechern, Verstärkern, Filmkameras sowie Projektoren. Movilux, Moviphon, Movivox - viele Geräte bringt er zur Markt reife. Doch seine größte Erfindung, der 8mm-Magnetton-Projektor Moviton, wird nie in Serie gefertigt. Zwei funktionierende Muster sind allerdings erhalten.

 

1917 in Dresden geboren, kommt Heinz Thiele schon vor und während seines Studiums immer wieder zur dortigen Zeiss Ikon AG. Im Tonfilmlabor erlernt er, was ihn später prägen wird. Ein kurzer Abstecher führt ihn ins „Zentrallabor Nr. 5" der AEG in Berlin-Oberschönweide. Dort entwickelt Thiele Verstärker. Nach dem Krieg gründet er in Gunzenhausen, Mittelfranken, die Firma Apparatebau Thiele. „Aus alten Teilen haben wir Tonfilmverstärker und Oszillographen hergestellt", erinnert sich der Ingenieur bei seinem letzten Interview im Jahr 2001.

 

Eines Tages besucht ihn ein junger Mann „aus extrem einfachen Verhältnissen, ein Bauernsohn." Hans F. Naepfel, der nur die Volksschule besucht hatte, wird als Ungelernter eingestellt und schraubt nun Geräte zusammen, die bei Thiele aus Wehrmachtsbeständen gebaut werden. Er ist begabt. „Ich habe sein Talent früh entdeckt", meint Thiele. Und weil er Naepfel fördern will, stellt er extra einen Meister ein: „Jetzt konnte Hans eine Lehre zum Elektriker machen."

 

Naepfel bildet sich autodidaktisch fort, studiert nebenher - und folgt Thiele auch zu Zeiss Ikon. Er erinnert sich: „Ich ging für zwei Jahre zu Zeiss nach New York. Danach haben mich die Aufgaben bei Fairchild gereizt. Dort baute man an einer 8mm-Tonkamera, der Cinephonic Eight und hatte enorme technische Probleme." Nach drei Monaten kommt das erste Modell auf den Markt. 10.000 Stück davon werden ab 1961 verkauft. 1964 geht seine „Fairchild Cinephonic Eight 900", eine 8mm-Tonfilmkamera für Randspuraufnahmen, in Serie. Später arbeitet der Mann, der sich in den USA der Aussprache wegen Naepfel nennt, an Flugrecordern und Black Boxes. Fairchild stattet 90 Prozent des Weltmarkts mit seinen Produkten aus.

 

Noch heute lebt Naepfel in Florida. Auf Heinz Thiele ist er gut zu sprechen: „Ihm war wichtig, dass man ein System in Gänze verstand, jedes Detail. Nur mit tiefschürfenden Kenntnissen könne man später selbst etwas konstruieren, hat Thiele stets gesagt. So wurde ich umfassend geschult. Er war ein guter Lehrer - das hatte er beim Militär gelernt."

 

Zwanzig Jahre bei Zeiss Ikon

Zwanzig Jahre lang ist Thiele bis 1970 für Zeiss Ikon tätig. Privat lernt er zwischenzeitlich den Verleger Axel Springer kennen. Ein Jahr darauf wird Thiele Technischer Direktor von Ullstein AV, einer Tochter des Axel Springer Verlags in Hamburg. Zusammen mit Telefunken werkelt er am Bildplattensystem, ist für die technische Qualität der schwarzen Scheiben zuständig. „Lehren und Lernen mit der Bild-Platte", so lautet die Werbebotschaft für den „Telefunken TP 1005", einem 14 Kilo schweren Monstrum, in das die Pappschuber mit den Scheiben von 21cm Durchmesser geschoben werden.

 

Manko der schönen neuen Bilderwelt, die über Fernseherzu betrachten ist: die wie eine Schallplatte beschriebene Scheibe erreicht nur zehn Minuten Laufzeit. Titel wie „Heinz Rühmann: Der Primus", „Asterix: Der große Bluff" oder „Ski-Training mit Toni Sailer" waren also stets ein extrem kurzes Vergnügen. Dagegen sind selbst die häufig fürchterlich zusammengekürzten 120m-Super-8-Spielfilmfassungen mit ihren rund 22 Minuten noch geradezu abendfüllend. Bis 1976 setzt Ullstein trotzdem auf die Vermarktung der schwarzen Scheiben, vielfach auch über den Versandhandel.

 

1978 zieht sich Thiele in sein Haus in Schwarzenbek bei Hamburg zurück und wird beratender Ingenieur. Die Fernsehund Kinotechnische Gesellschaft ernennt ihn 1984 in Anerkennung seiner historischen Arbeiten und seiner Verdienste um die Tonfilm- und Magnettontechnik zum Ehrenmitglied. Als er am 4. März 2002 stirbt, bleiben vor allem seine Geräteschöpfungen in Erinnerung. Und um die soll es nun auch gehen.

 

Die Drei aus der Movilogie

Betrachten wir zunächst den Projektor. Der „Movilux 8" ist mit einem „Zeiss Ikon Certar 1,5/22mm" ausgestattet. Die „Schmalfilmlampe", wie sie in der Anleitung genannt wird, hat 110V/300W. Der vordere Spulenarm ist abnehmbar, lässt sich am Gehäuse befestigen, um zusammen mit dem Netzkabel und einer Leerspule im Metalldeckel beim Transport zu verschwinden. Im Deckel stecken auch ein kleiner Pinsel und ein Öler - für die Pflege ist an alles gedacht. Das Gerät nimmt 120m-Spulen auf. Ein wenig umständlich ist es möglich, die Lauffrequenz zu ändern: Wer den Projektor öffnet, kann den Treibriemen umlegen. So wird mit 16, 18 oder 24B/sec. vorgeführt.

 

Für den „Movilux 8" gibt es einen „Synchron-Schalter", der an ein mit Kabel verbundenes Tonbandgerät einen Einschaltimpuls liefert, wenn ein eingestanztes Loch im Film erkannt wird. Kurioserweise heißt es in der Bedienungsanleitung, mit dem Synchron-Schalter erziele man „eine nicht lippensynchrone Bild-Ton-Kombination". Offenbar ist die Bezeichnung „synchron" also mehrdeutig...

 

Erst mit der Einführung des „Moviphons" wird ein optimaler Gleichlauf zwischen Projektor und Tonband erreicht. Der im Movilux vorhandene Induktionsmotor wird dazu benutzt, das mittels einer biegsamen Welle angeschlossene Tonbandgerät Moviphon anzutreiben. Beide gekuppelten Geräte sind in Kofferform gebaut und lassen sich durch ein drittes ergänzen: den Lautsprecher „Movivox". Das Tonband erreicht einen Frequenzgang von 50 bis 8.000 Hertz (Hz) und kann im Doppelspurbetrieb genutzt werden. Der Schnitt von Bild und Ton ist getrennt möglich - was in der Praxis allerdings nicht so ganz einfach ist. Schade auch, dass das Tonbandgerät keinen eigenen Lautsprecher hat. Vielmehr muß das Signal über einen Niederfrequenzverstärker aufgepeppt werden. Dazu dient der Movivox oder ein damaliger Rundfunkempfänger.

 

Ein Vorreiter entsteht

1958 konstruiert Thiele bei Zeiss Ikon mit dem „Moviton" einen ersten 8mm-Tonfilmprojektor, der die Schallwellen auf eine nur 0,5mm schmale Magnetrandspur des Films aufzeichnet. Bei 16B/sec. soll immerhin ein Frequenzgang von 80 bis 7.000Hz erzielt werden. Das Metallgerät kann 300m-Spulen fassen und ermöglicht somit eine ununterbrochene Projektion von 83 Minuten bei 16B/sec. Als Objektiv dient ein „Zeiss PSonnar 1,3/20mm"; es erreicht im Zusammenhang mit der 50W-Lampe immerhin 90 Lumen Lichtleistung. Ein Anamorphot kann vorgesetzt werden.

 

Der Metallprojektor ist wiederum mit einem Deckel versehen unter dem auch der abnehmbare Spulenarm Platz findet. Sehr einfach ist das Einlegen des Films von außen per Hand - und die mögliche Entnahme auch während der Projektion. Ein großer Knebelschalter für die Aussteuerung sowie ein etwas tief und versteckt angebrachtes VU-Meter sorgen für die Vertonung.

 

Allerdings ist wiederum ein Endverstärker nötig; kein Lautsprecher ist eingebaut. Im Gegensatz zum Movilux läßt sich der Film aber nicht nur vorwärts, sondern auch rückwärts vorführen. „Dieser Projektor war seiner Zeit weit voraus. Die Randspurtechnik ist in den 1970er Jahren bei Super 8 richtig zur Blüte gekommen", weiß Thiele. Zwei handgefertigte Nullserien-Modelle vom Moviton konnte er sich bewahren. „Soweit ich weiß, ist dieser Projektor zwar in Fachzeitschriften angekündigt worden, aber nicht in Serie gegangen." Hans Naepfel betont, dass Zeiss immer nur mit den 35mm-Kinoprojektoren richtig Geld verdient habe. „8mm-Filmgeräte liefen so mit. Aber viel Engagement wurde in die Sparte nicht gesteckt, weil damit kaum Geld verdient wurde. Den Moviton hielt das Management für zu aufwändig und technisch zu komplex. Später zeigte sich, dass das Gerät richtungsweisend war."

 

Schon frühzeitig empfiehlt Thiele seinem Unternehmen, beim Bau von Film- und Fotokameras den Einbau von Elektronik. Er entwickelt diverse Modelle und Studien. „Damit bin ich aber stets abgeblitzt", erinnert er sich. Zeiss Ikon wollte weiter auf Mechanik setzen. Hans Naepfel bestätigt das: „Die alten Führungskräfte bei Zeiss Ikon liebten ihren Compur-Verschluß. Der sei besser als das elektronische Zeug. 1958 fingen dann die Japaner an, moderne Geräte zu bauen - und haben uns schnell überrollt."

 


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