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Das Landesmedienzentrum Hamburg ist aufgelöst worden

Von Dr. Joachim Paschen

Im 75. Jahr seiner Existenz ist das 1928 als Staatliches Lichtbildamt gegründete Landesmedienzentrum Ende 2003 aufgelöst worden. Auch wenn einige seiner Bestandteile in ein neugegründetes Landesinstitut für Lehrerbildung übernommen wurden, sind doch beträchtliche Verminderungen im Medienangebot für Hamburg zu verzeichnen.

 

Das Landesmedienzentrum (damals noch „Landesbildstelle") war 1994 der Ort, wo der Verein Film- und Fernsehmuseum Hamburg gegründet wurde; sein Verwaltungsleiter und sein Direktor, Eggert Woost, und Dr. Joachim Paschen gehörten zu den Gründungsmitgliedern. Es waren ideale Voraussetzungen, aufbauend auf den Sammlungen und dem Erfahrungsschatz dieser Institution eine Initiative für ein Medien-Museum in Hamburg zu starten und weiterzuentwickeln; besonders bewährt haben sich dabei traditionell gute Beziehungen zu anderen Medieneinrichtungen in Hamburg.

 

Die Auflösung des LMZ ist kein Einzelschicksal: Andere Bundesländer sind vorangegangen. Neben Berlin gehörte Hamburg zu den Landeseinrichtungen mit dem breitesten Angebotsspektrum - und der längsten Geschichte. Hier schlug - wenn man so will - 1907 die Geburtsstunde der aktiven Nutzung „neuer Medien" im Bildungswesen: Hamburger und Altonaer Lehrer hatten sich in einer besonderen Kommission zusammengefunden, um die schädlichen Einflüsse der Kinematographen-Theater anzuprangern, aber auch um die nützlichen Seiten der Filme für den Unterricht herauszufinden. Auf diese informelle Ebene beschränkte man sich in der Kriegs- und Krisenzeit der folgenden 20 Jahre. 1928 beschloss dann der Hamburger Senat auf Antrag der Oberschulbehörde die Einrichtung eines Staatlichen Lichtbildamtes. Seine Aufgabe war es, die Schulen mit Dia-Reihen und Unterrichtsfilmen (damals noch im Normalformat 35mm) zu versorgen. 1935 entsteht aus diesem Amt die Landesbildstelle Hansa; sie ist zuständig für Hamburg, Bremen und Lübeck.

 

Die Gründung geht zurück auf einen Erlass des Reichserziehungsministers von 1934 zur Errichtung einer „Reichsstelle für den Unterrichtsfilm"; verbunden damit ist der Aufbau von Landes- und Kreisbildstellen in ganz Deutschland. Diese Bildstellen werden von der Reichsstelle mit den „modernsten" Unterrichtsmedien versorgt, Dia-Reihen, Filmen und Schallplatten; die Schulen werden außerdem trotz schwieriger Zeiten mit entsprechenden Vorführgeraten ausgestattet. Die Landesbildstelle Hansa erhält auch den Auftrag der fotografischen Stadtdokumentation, zunächst u.a. über die Auswirkungen des Zusammenschlusses von vier Städten zu Groß-Hamburg, später zur Erfassung der Schäden im Bombenkrieg. Außerdem beginnt die Landesbildstelle mit der Produktion von Medien, die für Hamburg von besonderem Interesse sind. Nach dem Krieg wird der Medienbestand um etwa zehn Prozent „belastenden" Materials bereinigt; der Gerätebestand in den Schulen wird erneuert. Mit den Schülerzahlen steigen auch die Ausleihzahlen. AV-Medien werden zu einem unerlässlichen Hilfs- und Anschauungsmittel im Unterricht und in der Jugendarbeit. Neben dem Medienverleih wird auch die technische Unterstützung der Schulen (Beschaffung von Geräten und ihre Reparatur) ausgebaut.

 

Von besonderer Bedeutung wurde mit der Zeit die Filmsammlung, begründet vom damaligen Direktor Fritz Kempe: Er legte ein Archiv mit Filmen zur Geschichte Hamburgs an, mit klassischen Spiel- und Dokumentarfilmen sowie mit ausgeschiedenen Unterrichtsfilmen. Über die Jahre wuchs der Bestand auf mehrere Tausend Titel in verschiedenen Formaten. In den 1980er Jahren sorgte Eggert Woost für eine systematische Erfassung des gesamten Bestandes und eine Verwertung der historischen Materialien in Filmproduktionen, Fernsehsendungen und in Kino-Vorführungen. Das „Landesfilmarchiv Hamburg" war bei allen Interessenten eine beliebte Adresse, auch nachdem es nach der Pensionierung von Eggert Woost von Reinhard Pflug übernommen wurde: Der Service war unkompliziert, schnell und effektiv.

 

Das Filmarchiv ist im Prinzip erhalten und in den Kellerräumen einer Außenstelle des Landesinstituts untergebracht. Allerdings ist der Service beträchtlich eingeschränkt. Die regelmäßig stattfindenden und gut besuchten Kino-Vorführungen, meist Sonntagsmatineen im Abaton und Zeise, aber auch im Staatsarchiv und anderen Vorführstätten, mussten eingestellt werden. Die personellen und finanziellen Möglichkeiten zur Riege und zum Ausbau des Archivs sind eingeschränkt worden. Einschränkungen musste sich auch das Landesbildarchiv im LMZ gefallen lassen: Es ist mit seinem gesamten Bestand von vielen Hunderttausend Aufnahmen zur Entwicklung des Stadtbildes seit 1842 in geeignete Räume des Denkmalschutzamtes übernommen worden und bleibt auch weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich. Allerdings sind die archivalischen Fachkräfte abgezogen worden, so dass die Auswertung schwieriger geworden ist. Das Archiv ist für die Film- und Fernsehgeschichte Hamburgs wegen zahlreicher Bestände zu Filmproduktionen, Premieren und Kinos von großer Bedeutung. Aus Platzgründen konnte der Verein Film- und Femsehmuseum nur in beschränktem Umfang Materialien, die sonst vernichtet worden wären, in seinen Bestand übernehmen, darunter Unterlagen zur Filmgeschichte; ein Teil der Bibliothek zur Filmgeschichte wurde „Cinegraph", einem von der Kulturbehörde Hamburg unterstütztem Verein zur Erforschung der deutschen Filmgeschichte, überlassen. Ein Großteil der Akten zur Geschichte der Landesbildstelle bzw. des Landesmedienzentrums sowie der Hamburger Gesellschaft für Filmkunde wurden ans Staatsarchiv abgeliefert. Viele für eine Medienstadt wie Hamburg unentbehrliche Angebote, die bis zum letzten Jahr an einer Stelle konzentriert waren, sind jetzt, wenn überhaupt, nur noch unter verschiedenen Adressen zu erreichen. Es ist zu hoffen, dass sie auch zukünftig die Beachtung erhalten, die sie verdienen.

 

Der Vorstand des Vereins Film- und Femsehmuseum Hamburg bemüht sich darum, dass seine Arbeit unter dieser Entwicklung nicht unnötig leidet.


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