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„Hamburg im Film“

Elf Jahre lang liefen im Abaton historische Streifen aus dem Landesfilmarchiv

Von Dr. Joachim Paschen

„Herzlich Willkommen am Sonntagmorgen im Abaton zu unserem Programm mit Filmen zur Geschichte Hamburgs!"

So wurden seit 1993 Tausende von Zuschauern aus Hamburg und Umgebung jeweils am letzten Sonntag im Monat begrüßt. Jedes Mal war es eine spannende Zeitreise in die Vergangenheit der Hansestadt. An mehr als 80 Terminen wurden an die 500 Filme der letzten 100 Jahre gezeigt, die sich mit Hamburg beschäftigen.

 

Jedes Programm hatte sein eigenes Thema, es gab nur wenige Wiederholungen. Das große oder kleine Kino im Abaton war unterschiedlich gefüllt, aber es entwickelte sich mit der Zeit ein fester Stamm an Interessierten. Alle bedauerten es, als im Dezember 2003 die Programm-Reihe wegen der Auflösung des Landesmedienzentrums zunächst eingestellt werden musste. Es gibt Planungen, die Reihe in anderer Form wieder aufleben zu lassen.

 

Die Idee zu dieser in Deutschland einzigartigen Serie zündete Anfang 1993 bei Eggert Woost, dem Leiter des Landesfilmarchivs, und Werner Graßmann vom Abaton-Kino. Gerade war der neue Katalog des Archivs erschienen, der auf 220 Seiten chronologisch alle Hamburg-Filme auflistete, die sich aus der Zeit seit 1906 erhalten haben. Sollte dieses Archivgut nur bewahrt werden, oder hatten die Hamburger nicht ein Recht dazu, selbst Einblick zu nehmen in ihre eigene filmische Vergangenheit? Die Idee schlug ein, und mit ein bisschen Werbung gelang es schnell, dies Spezial-Programm unter sonntäglichen Frühaufstehern bekannt zu machen. Zu den ersten Terminen im Frühjahr 1993 wurden Kultur- und Werbefilme seit 1912 gezeigt, die sich mit Hamburg beschäftigten oder hier entstanden waren. Besonders gut kamen die launigen Werbefilme von Adalbert Baltes an, der bereits in den 50er Jahren richtige Werbefilm-Musterrollen zusammengestellt hatte, um weiteren Auftraggebern sein Können unter Beweis zu stellen. Mit großem Vergnügen lernten die Zuschauern Produkte kennen, die man höchstens vom Hörensagen noch kannte.

 

Für Hamburg war 1993 ein besonderes Erinnerungsjahr: 50 Jahre nach dem schrecklichen Bombardement vom Sommer 1943. Neben vielen anderen Veranstaltungen und Ausstellungen war das Abaton-Kino ein wichtiger Ort, an die Ereignisse zu erinnern. Es lief nicht nur der kurze Streifen von Hans Brunswig über die Auswirkungen der Bombenangriffe und die Versuche der Feuerwehr, zu retten, was zu retten war; gezeigt wurden andere Dokumentaraufnahmen von den Zerstörungen, aber auch Ausbildungsfilme vom Reichsluftschutzbund, die sich im Landesfilmarchiv erhalten haben. Das Programm erlebte einen solchen Ansturm, dass es wiederholt werden musste. Zehn Jahre später, 2003, lief ein ähnliches Programm.

 

In der Folgezeit wurden runde Erinnerungsjahre immer wieder genutzt, besondere Filmprogramme anzubieten: der Bezug des neuen Rathauses 1897, der Hamburger Aufstand von 1923, die Machtergreifung in Hamburg 1933, der Neubeginn 1949, die Fertigstellung der 100.000 Neubauwohnungen 1952, die Flutkatastrophe von 1962, die Studenten-Revolte von 1968.

 

Im Mittelpunkt der meisten Programme stand allerdings der Hafen in allen seinen Facetten und Schiffe jeder Art: Vorgeführt wurde die Entwicklung der Arbeit im Hafen von 1950 bis 1990; man konnte Schiffsfahrten miterleben, auf der Elbe bis Blankenese oder auf einem Luxusliner nach New York; Schiffsbau, vor allem bei Blohm und Voss, wai ein weiteres Thema; die „Pamir" und die „Gorch Fock" standen im Mittelpunkt eigener Programme; und natürlich gehörte auch ein Landgang in St. Pauli dazu.

 

Ein weiterer Schwerpunkt vieler Programme bildete das Bauen und Wohnen in Hamburg: Nach dem Slogan der Baubehörde, „Sieh dir an, wie Hamburg baut(e)", wurde die Stadtentwicklung nach dem Krieg vorgeführt, auch im Zusammenhang mit den in Hamburg veranstalteten Architektur-Sommern; herausragende Großprojekte (Grindelhochhäuser, Eibtunnel, Fernsehturm u.a.) standen separat auf dem Programm; aus dem Filmbestand der „Neuen Heimat", den das Landesfilmarchiv erhalten hatte, konnten die Jahrzehnte langen Leistungen dieser gewerkschaftlichen Wohnungsbaugesellschaft demonstriert werden. Jedes Programm sollte sich nach dem Wunsch des Publikums in irgendeiner Weise um Hamburg drehen: So kam es zu Titeln wie Hamburg und seine Bürgermeister, ...und seine Schulen, ...und seine Tiere (Hagenbeck), ...und seine Sicherheit (Polizei und Feuerwehr), ...und seine Hoch- und Straßenbahnen. Leider konnte nicht dem häufig geäußerten Wunsch gefolgt werden, einzelne Stadtteile besonders vorzustellen, da bis auf Ausnahmen kaum historisches Filmmaterial vorhanden ist. Zu den Ausnahmen gehörte der Stadtteil, in dem das Abaton beheimatet ist, Eimsbüttel und Grindel. Das entsprechende Programm erhielt die höchsten Zuschauerzahlen und wurde mehrfach wiederholt. Ein weiteres Programm über Wilhelmsburg war nur möglich, weil es mit der Premiere eines entsprechenden Stadtteilfilms verbunden werden konnte. (Filme über Altona liefen vornehmlich im Zeise-Kino, das eine ähnliche Filmreihe ins Leben gerufen hatte; ein eigener Bericht über dies Angebot erscheint in der nächsten Nummer.)

 

Eine besondere Erwähnung verdient das Doppel-Programm mit Produktionen des Hamburger Dokumentarfilmers Bodo Menck, der nach Kriegsende anspruchsvolle Darstellungen zu Hamburger Themen bei „REAL-Film" hergestellt hat. Diese Retrospektive, in Anwesenheit des Regisseurs zu seinem 70. Geburtstag - Ende 1996, wurde dadurch geadelt, dass viele Weggefährten (auch Gyula Trebitsch) Bodo Mencks umfangreichem Filmschaffen ihre Referenz erwiesen. Die Sonntagsmatineen, die überwiegend im Herbst, Winter und Frühjahr stattfanden, wurden mit der Zeit zu einer festen Institution. Die Zuschauer, häufig ganze Familien, wurden mit attraktiven Themen aus den Betten geholt und bekamen nicht nur Filme vorgesetzt, sondern auch launige und sachkundige Erläuterungen zur Geschichte der Stadt.

 

Besonders aufregend wurde es immer, wenn auch die Zuschauer anfingen, die Filme zum Anlass zu nehmen, aus ihren Erinnerungen zu berichten. Die Reihe „Hamburg im Film" hat wesentlich dazu beigetragen, die Erinnerung an Hamburgs Geschichte wachzuhalten.

 


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