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Lossaus Cinematographisches Curiositäten-Cabinett:

Karl Schneider: Der Hamburger Architekt als Vater zweier Filmkameras


Von Jürgen Lossau

Man kennt ihn als Hamburger Architekten, als einen, den die Nazis vertrieben haben und der nach seiner Emigration nach Amerika nicht mehr so recht glücklich wurde. Doch wer weiß schon, dass Karl Schneider, von schwerer Herzkrankheit geplagt, für die US-Marke Franklin Filmkameras entwarf, die drei Jahre nach seinem Tod tatsächlich auf den Markt kamen?

 

Nach dem Studium der Architektur an der Kunstgewerbeschule in Mainz ist Karl Schneider von 1912 bis zu seinem Kriegsdienst in den Ateliers von Walter Gropius und Peter Behrens in Berlin tätig. 1920 arbeitet Schneider kurzfristig bei Fritz Höger in Hamburg, wo er bereits 1921 sein eigenes Büro eröffnet. Doch zunächst herrscht Auftragsmangel. In der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre sind dann 30 bis 40 Angestellte für ihn tätig. Es entstehen moderne Landhäuser; Kulturbauten sowie Wohn- und Industrieanlagen. Der erste Preis im Jarrestadt-Wettbewerb 1926 begründet seinen steilen Aufstieg zu einem der anerkanntesten Architekten des Sozialen Wohnungsbaus in Deutschland. Ein Jahr darauf „inszeniert" er mit dem Lichtarchitekten Naum Slutzky zusammen das Großkino Emelka-Palast in Eimsbüttel (siehe „Hamburger Flimmern", Heft 7/2000, Seite 4-7). Gegen Ende der zwanziger Jahre ist Karl Schneider ein führender Vertreter der Moderne in Deutschland.

 

1929 wählt ihn das Kollegium der Landeskunstschule einstimmig zum Direktor Der Hamburger Senat nimmt den Vorschlag jedoch nicht an, sondern überträgt die Schulleitung Max Sauerlandt. 1930 kommt Karl Schneider auf fünf Jahre als Professor und Leiter einer Entwurfsklasse an die Landeskunstschule. Am 21 .April 1933 wird er ohne Angabe von Gründen beurlaubt und zum I. September 1933 gekündigt. Den Nazis gefällt sein Bau- und Denkstil nicht.

 

Im Januar 1938 folgt Schneider seiner Lebenspartnerin Ursula Wolff, die bereits 1937 in die USA emigrierte, nach Chicago. Sein gesamter in Hamburg zurückgelassener Besitz einschließlich aller Zeichnungen und Modelle verbrennt 1943 bei einem Bombenangriff.

 

In den USA verwenden sich 1938 Walter Gropius, Walter Curt Behrendt und Lewis Mumford für Karl Schneiders berufliches Fortkommen. Von 1938 bis 1945 ist er als Designer beim amerikanischen Versandhausriesen Sears, Roebuck & Co angestellt. Schlecht bezahlt und unterfordert fristet er ein enttäuschtes Dasein. 1944 erhält er vom Chicagoer Unternehmen „Franklin Photographic Industries, Inc." den Auftrag zum Entwurf einer 8mm-Magazin-Filmkamera. Rund zwanzig Skizzen entstehen, doch der Krieg verzögert die Umsetzung.

 

Bleibende Erinnerungen an das Schaffen Schneiders sind - neben seinen vor allem in Hamburg anzutreffenden Gebäuden - aber auch zwei Filmkameras, die schließlich ab 1948 durch Franklin tatsächlich auf den Markt gebracht wurden. Die „Franklin I 15" ist ein Federwerksmodell mit metallener Wechselkassette, die mit 1,16,24, 32 und 64 Bildern pro Sekunde läuft. Für I 19 Dollar kommt sie auf den Markt und wird ein Jahr später von der,, I IST" ergänzt. Im Unterschied zur ersten Variante, die nur mit einem Wechselobjektiv in DMount-Fassung ausgeliefert wird, hat die „T" (dasT steht für „twin lenses") einen Zweifach-Objektivrevolver. Das „Franklin 1:1,9/12,5mm" und ein 1:3,5/37,5mm Tele gehören zur Grundausstattung. Während das erste Modell in schwarzem Leder daherkommt, hat die spätere Variante braunes Leder zu bieten. Alle weiteren technischen Details sind gleich.

 

Die Filmkameras, die wohl nicht lange auf dem Markt sind, erlebt Karl Schneider nicht mehr Nach kurzer Tätigkeit, endlich wieder als Architekt, ab 15. Mai 1945 bei Loebl & Schlossman in Chicago, stirbt
Schneideram I I.Dezember 1945.

 


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