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Lossau's Cinematographisches Curiositäten-Cabinett

Aufs falsche Pferd gesetzt: Filmkameras von Geyer

Von Jürgen Lossau

Warum soll ein Filmkopierwerk nicht auch Motorräder herstellen? Ja, warum eigentlich nicht, sagt sich 1924 Karl August Geyer, der seit 12 Jahren eine Kopieranstalt in Berlin betreibt und alle Maschinen dafür selbst bauen läßt. Im neu errichteten Gebäude in Adlershof ist noch Platz. Und die Fertigung von Filmbearbeitungsmaschinen für fremde Unternehmen ist so eine Sache. Da züchtet man sich unversehens die eigene Konkurrenz heran. Zwar richtet Geyer neben dem eigenen Werk auch die Glanz-Film AG in Köpenick vollständig ein, aber besonders glücklich macht ihn das nicht.

 

Also Motorfahrräder. Zwei Prototypen entstehen. Doch seine Feinmechaniker sind für diese Aufgabe „keinesfalls geeignet“, findet Geyer schließlich und die Fertigung mache nur im Großserienbau Sinn. Aha. Warum dann also keine Filmkameras? Genau Am 3. November 1925 patentiert das Deutsche Reich sein „Aufnahmekino mit nebeneinander, gleichachsig angeordneter Auf- und Abwickelspule“. Kurz zuvor stellt die Geyer-Werke AG ihre 16mm-Erfindung auf der „Kipho“ in Berlin aus, samt Projektor und Umroller. Die Begeisterung hält sich in Grenzen. Denn Geyer benutzt ein eigens entwickeltes Magazin für 20 Meter Film. Das paßt in keine andere Kamera und auch die sich langsam zum Weltstandard mausernde 30-Meter-Spule von Kodak geht nicht in die Geyer- Kiste.

 

So wird aus der „AK 25“ nach nur einem Jahr fix die „AK 26“. Jetzt passen die 30-Meter- Spulen. Eine simple Ausbuchtung an der Rückfront des Gehäuses für die größere Spule zeigt, dass Eile geboten war. Der Handkurbel-Betrieb der „AK 25“ kann jetzt über ein unten ansetzbares Federwerk ergänzt werden. Ungewöhnlich: der tief liegende Sucher, später ähnlich bei der Leicina zu finden.

Der geplante Export nach Amerika floppt. 25 Prozent Wertzoll sind zu zahlen. Außerdem ist die Kamera nicht für Großserienfertigung ausgelegt, in der Herstellung also viel zu teuer. Nach 300 Geräten ist die Produktion am Ende. Entlassungen. Denn Geyer entscheidet: es werden nur noch Maschinen gebaut, die für das Kopierwerk selbst nötig sind. Schluß mit der Suche nach neuen Märkten. Das Gebäude in Adlershof geht an die Schokoladenfabrik Lindt & Sprüngli.

 

Der eingeschlagene Weg erweist sich als richtig. 1961 feiern die Geyer-Werke, die sich inzwischen auch in Hamburg breit gemacht haben, ihr 50-jähriges Jubiläum. Tonfilm, Farbfilm, Trickfilm – immer ist Geyer zur Stelle, baut Maschinen für die Bearbeitung und fertigt Kopien in 8, 16 oder 35mm. 1999 wird aus der Firma die „CineMedia Film AG Geyer-Werke“ mit Sitz in München. 464 Mitarbeiter erwirtschaften rund 100 Millionen Mark Umsatz.

 


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