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Diplomarbeit einer Architekturstudentin:

Bekommt Hamburg jetzt ein Filmmuseum?

Von Bettina Regling

Immer wieder taucht die Frage auf: Wo ist denn eigentlich das Filmmuseum in Hamburg zu finden? Die Enttäuschung bei den meisten Fragestellern ist groß, wenn ihnen mitgeteilt wird, dass außer zwei Magazinräumen und einem von unserem Verein mitgenutzten Büroraum im Staatsarchiv bislang gar keine eigenen Räumlichkeiten existieren. Dennoch stellt sich natürlich generell die Frage: Wie könnte ein zukünftiges Filmmuseum in Hamburg architektonisch überhaupt aussehen? Eine Hamburger Architekturstudentin hat sich im Rahmen ihrer Diplomarbeit darüber ausführlich Gedanken gemacht und einen entsprechenden Entwurf vorgelegt. Ihr Konzept sieht vor, ein Filmmuseum als Ergänzung zum Museum der Arbeit im Stadtteil Barmbek zu schaffen. Auch wenn natürlich wegen der fehlenden finanziellen Realisierungsmöglichkeiten solche Pläne momentan (leider) nur Wunschträume sind, möchten wir mit diesem Abdruck den Entwurf vorstellen und – wenn möglich – damit auch eine Diskussion über ein derartiges Vorhaben anregen.

Hamburg ist seit Ende des 2. Weltkrieges der wichtigste und derzeit auch der größte Medienstandort Deutschlands – gerade in Bezug auf das Kino. Das Medium Kino ist inzwischen über 100 Jahre alt und in dieser Zeit hat es sowohl technische als auch künstlerische Entwicklungen gegeben, für deren Erhaltung und Präsentation es in Hamburg bisher keine entsprechende Einrichtung gibt. Film in seiner ganzen Bandbreite, seine Entwicklung von der Jahrmarktunterhaltung über den Kunstfilm bis hin zur Unterhaltungsindustrie, seine technischen Entwicklungen und politischen Hintergründe sollen in diesem Museum gezeigt werden. Neben der eigentlichen Dauerausstellung zur Kinogeschichte sind Flächen für Wechselausstellungen sowie Veranstaltungsräume für filmhistorische Vorträge, Tagungen und Filmvorführungen vorgesehen. Außerdem ist eine film- und fernsehkundliche Bibliothek mit eingebunden worden.

 

Einrichtung einer „KinoWerkStatt”

Gerade Kinder und Jugendliche sind im bestehenden Kinoangebot unterrepräsentiert. Zum einen gibt es keine auf die speziellen Bedürfnisse dieser Altersgruppe abgestimmten Kinos mit einem ent- sprechenden Schwerpunktprogramm, zum anderen ist das gegenwärtige Preisniveau so hoch, dass auch hier eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage herrscht. Dieses fehlende Angebot soll mit diesem Konzept ausgefüllt werden. Es geht also bei diesem Projekt nicht um die Schaffung eines weiteren Multiplexkinos. Um dies zu verdeutlichen, wurde der Begriff „KinoWerkStatt“ gewählt, der zum einen veranschaulichen soll, dass es sich hier um „Werke“ für ein Kino im künstlerischen Sinne handelt, zum anderen, dass die „WerkStatt“ über den passiven Kinogenuss hinaus ein Ausprobieren und Experimentieren ermöglicht.

Der Schwerpunkt einer zukünftigen Kinowerkstatt sollte darin bestehen, gerade jungen Menschen das Medium „Film“ als Kunstform näher zu bringen. Bei der baulichen Planung wurden deshalb Anleihen sowohl bei der Theater- als auch bei der Museumspädagogik gemacht. Um darüber hinaus zu einem wirtschaftlichen Konzept zu gelangen, wurde die Kopplung mit einem Filmmuseum gewählt: Damit gelangt man zu einer tragfähigen Verbindung der Nutzungen. Übergreifend sollte das Kino – vorzugsweise abends – von den Besuchern des Filmmuseums genutzt werden. Eine weitere mögliche Nutzung wären Filmreihen, wie sie bereits heute teilweise vom Kommunalen Kino Metropolis angeboten werden. Sie könnten auch die Ausstellungen des Museums der Arbeit schwerpunktmäßig unterstützen.

 

Der zukünftige Standort

Das ausgewählte Grundstück liegt zentral an der Hufnerstraße/Poppenhusenstraße und ist wegen seiner Nähe zum U- und S-Bahnhof Barmbek gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Das Grundstück, das als Planungsgrundlage dient, befindet sich auf dem ehemaligen Werksgelände der „New York-Hamburg Gummi-Waaren-Compagnie“. 1954 verkaufte die Firma das Gelände an die Stadt. Entlang der Poppenhusenstraße entstand Ende der 50er Jahre ein Gebäudekomplex mit öffentlichen Einrichtungen (z.B. Ortsamt und öffentlicher Bücherhalle). 1990 wurde im Zuge eines städtebaulichen Wettbewerbs eine Neuordnung dieses Quartiers vorgenommen. Die historischen Gebäude der Fabrikanlage stehen heute unter Denkmalschutz und ein Teil dient inzwischen als Museum der Arbeit einer neuen Nutzung. Insgesamt sollte damit der südliche Teil des Barmbeker Zentrums aufgewertet werden. Ein Großteil der damaligen Planungen wurde jedoch aufgrund der finanziellen Situation der Stadt nicht durchgeführt.

Die direkte Nachbarschaft zu einem anderen Museum und auch die Nähe zur „Zinnschmelze“ – einem kleinen Kulturbetrieb mit Kneipe – bieten ideale Voraussetzungen für ein funktionierendes, lebendiges Konzept. Die Zinnschmelze veranstaltet u.a. im Sommer „Open-Air-Kino“. In den vergangenen Jahren gab es auch schon Synergien mit dem „Film- und Fernsehmuseum Hamburg e.V.“ bei Filmvorführungen zu unterschiedlichen Schwerpunktthemen.

 

Transparenz und Projektion

Entwurfsziel war es, einen in seinen Funktionen ablesbaren Gebäudekomplex zu schaffen, der Beziehungen zur städtebaulichen Umgebung herstellt. Das Filmmuseum präsentiert sich als langer, geschlossener Riegel, der auf einem Glassockel liegt. Leitbild für die Erscheinungsform des Museums ist zum einen die sogenannte „Black Box“ – ein völlig geschlossener Kinoraum, in den kein natürliches Licht eindringen soll. Diese Box „schwebt“ über einem zum größten Teil verglasten Publikumsbereich, in dem sich Vortragssäle, Bibliothek etc. befinden. Darüber hinaus soll sich der Begriff der „Transparenz“ mit dem Inhalt und der Funktion des Filmmuseums verbinden, was allerdings im übertragenen Sinne zu verstehen ist: In den Museumsräumen sollen durch Sehen und Ausprobieren alle Aspekte des Films (künstlerische, technische, politische und wirtschaftliche) veranschaulicht, erklärt und transparent gemacht werden. Das Prinzip des traditionellen Museumstyps mit den Funktionen des Bewahrens, Sammelns und Ausstellens tritt zurück gegenüber einem modernen Typus, in dem Erleben, Ausprobieren und Teilhaben an Prozessen vorrangige Kriterien sind. Das offene Raumprogramm – ein Stützenraster bildet die Grundstruktur, in der dann mit Leichtbauwänden gearbeitet werden kann – lässt eine flexible Ausstellungsgestaltung zu, die den Bedürfnissen des Publikums leicht anzupassen ist. Verschiedene Ausstellungskonzepte sind so denkbar, auch zur regionalen Kinogeschichte.

Das Kino ist aus der Achse gedreht und wendet sich dem Museum der Arbeit und der Zinnschmelze zu. Es schafft so die Verbindung zu den bestehenden Kultureinrichtungen (den zwei Museen an den gegenüberliegenden Punkten des Geländes) und verdeutlicht so noch einmal die Besonderheit seiner Funktion. Das Bild der „Projektion“ steht, im übertragenden Sinne verstanden, für das Kino. Die Begriffszuordnung bezieht sich in erster Linie auf das Wechselspiel Raum – Funktion – Atmosphäre.


Dieser Zusammenhang führte zu der Entwurfsentscheidung, dem Kino eine transluzente Außenhaut zu geben, die nach außen hin den Anschein von Leichtigkeit vermittelt und den inneren Vorgang des „Lichtspiels“ – als Atmosphäre schaffendes Element – nach außen überträgt. Die Illusion, die das Kino vermitteln kann, wird außen sichtbar. Der halb über einem Wasserbecken schwebende Zustand des Baukörpers verstärkt diesen Eindruck noch. Das Kino besteht aus einem großen Saal mit 260 Plätzen und einem kleinen „Screening“-Raum mit 50 Plätzen. Angeschlossen sind zwei Werkstattbereiche und Gruppenräume, die für die Arbeit mit Jugendlichen und Kindern vorgesehen sind; sie befinden sich im Publikumsbereich des Museums im Erdgeschoss. Insgesamt können so rund 12.100 qm Bruttogeschossfläche entstehen, darunter 2.800 qm Ausstellungsfläche.

 

 

Resümee

Eine Realisierung dieses Entwurfes könnte den Stadtteil Barmbek kulturell erheblich aufwerten. Zudem würde ein solches Film- und Fernsehmuseum auch für die bereits in unmittelbarer Nachbarschaft existierenden Einrichtungen eine wertvolle Bereicherung darstellen. Heute an ganz verschiedenen Orten innerhalb Hamburgs untergebrachte filmhistorische Forschungseinrichtungen wie das Kommunale Kino Metropolis, die Kinemathek Hamburg e.V. und das Hamburgische Centrum für Filmforschung/ Cinegraph e.V. könnten zentral an einem Ort unter dem Dach eines „Filmmuseums und einer Filmwerkstatt“ zusammengefasst werden. Es bleibt zu hoffen, dass die kulturellen Entscheidungsgremien erkennen, wie überaus wichtig die Realisierung eines solchen Konzepts für eine „Medienstadt“ wie Hamburg wäre. 

 


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