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Der Verein trauert um seinen Vorsitzenden:

Zum Tode von Eggert Woost

Von Volker Reißmann

Geboren wurde Eggert Woost am 26. März 1933 in Hamburg. Nach dem Tode seiner Mutter, die schon früh bei der Geburt seiner Schwester starb, wuchs er in Eutin und später Schönwalde in Ostholstein bei seiner Großmutter auf und ging dort auch zur Schule. Mitte der 50er Jahre trat er als Inspektorenanwärter in den Dienst der Hamburger Schulbehörde an der Dammtorstraße, wo er auch seine spätere Frau, Thea, kennenlernte, die er 1958 heiratete. 1960 wurde ihr gemeinsamer Sohn Stefan geboren. Von 1965 bis März 1995 war er Verwaltungsleiter der Staatlichen Landesbildstelle Hamburg und organisierte in dieser Funktion auch 1968 den Umzug aus den alten Räumlichkeiten an der Rothenbaumchaussee in das modernere Gebäude an der Kieler Straße 171. 10 Jahre lang, vom 20. Mai 1976 bis zum 30. Oktober 1986 war er kommunalpolitisch für die SPD als Bezirksabgeordneter in Altona tätig, zeitweise als Vorsitzender des Ausschusses für Frauenpolitik. Eggert Woost war leidenschaftlicher Dänemark-Fan und verbrachte regelmäßig seine Ferien dort. Zudem spielte er gern barocke Blasinstrumente wie Querflöte, die er auch selbst reparierte und wartete ... Soweit die wichtigsten Fakten aus seinem Leben, wie sie auch bei der Trauerrede am 10. September 1999 in der Kapelle des Hauptfriedeshofes Altona vorgetragen wurden. Im folgenden soll der Versuch unternommen werden, darüberhinaus ein paar persönliche Erinnerungen an Eggert Woost zu schildern.

 

Flüchtig kennengelernt habe ich Eggert Woost bereits als Schüler im Alter von 12 oder 13 Jahren, als ich 1979 im Auftrag meines Klassenlehrers zur damaligen Staatlichen Landesbildstelle Hamburg (heute: Landesmedienzentrum) in die Kieler Straße fuhr und einen Drehbuchauszug zu Schlöndorffs „Der junge Törleß“ aus einer Filmzeitschrift fotokopieren sollte. Ein Büchereimitarbeiter drückte mir den Zeitschriftenband in die Hand und zeigte mir den Standort des Fotokopierers. Nachdem ich bereits gut ein Dutzend Seiten abgelichtet hatte, erschien ein sehr resolut und etwas brummig wirkender Herr: Eggert Woost, der mich in seiner Eigenschaft als LBH-Verwaltungsleiter fragte, ob ich hier ein Vermögen loswerden wollte, denn jede Kopie müßte er zum vollen Preis berechnen - es sei denn, ich hätte einen schriftlichen Auftrag der Schule. Nun, da ich einen solchen nicht vorweisen konnte, war ich etwas ratlos, was ich nun antworten sollte. Da er meine Unsicherheit und Verblüffung wohl offenkundig spürte, lenkte er alsbald ein: Es reiche, wenn ich den Namen der Schule und des Lehrers mitteilen würde, dann könnte der Nachweis auch später über das Schulsekretariat nachgereicht werden. Diese Episode steht für eine Eigenschaft, die ihn auch später immer auszeichnete: Unabhängig von allen bürokratischen Hürden, besaß er immer ein Gespür für Situationen, in denen menschliches und pragmatisches Handeln gefragt war.

 

Erst ein Jahrzehnt später, nach Studium und Wehrdienst, sollte ich Eggert Woost dann in beruflicher Eigenschaft wieder treffen: Ich arbeitete inzwischen im Staatsarchiv Hamburg und dort fanden sich des öfteren in staatlichen und auch privaten Nachlässen Filmkopien, die vertragsgemäß an die Landesbildstelle abzuliefern waren. Mein Vorgesetzter erteilte mir irgendwann Anfang der 90er Jahre den Auftrag, solche Filmrollen in der LBH persönlich abzuliefern. Obwohl er mich eigentlich überhaupt nicht näher kannte, lud mich Eggert Woost nach der Sichtung des abgelieferten Filmmaterials auf einem Schneidetisch dazu ein, in einem italienischen Restaurant in der Nähe der LBH gemeinsam mittag zu essen. Lange unterhielten wir uns schon damals über unsere gemeinsame Leidenschaft, das Medium Film.

 

Intensiver lernte ich Eggert Woost aber erst Ende 1994 kennen, als ich eine Ausstellung zum Thema „100 Jahre Film in Hamburg“ im Staatsarchiv konzipiert hatte, die er sich bei einer Sonderführung interessiert anschaute. Einige Monate zuvor, im Mai 1994, hatte er 18 Filmbegeisterte eingeladen, um einen Verein zu gründen, der als Fernziel die Schaffung eines „Film- und Fernsehmuseums“ in Hamburg vorsah. Angeregt durch die Gründung des Düsseldorfer Filmmuseums im August 1993 hatte er fast zeitgleich mit seinem Geschäftsfreund, dem Filmkaufmann Till Heidenheim, diese Idee gehabt und schon mehrere Monate lang eifrig bei diversen Hamburger Institutionen – auch beim Staatsarchiv - für dieses Vorhaben geworben. Trotz des damals meiner Ansicht nach relativ hohen Mitgliedsbeitrages von 120,- DM überzeugte mich Eggerts Projekt und ich wurde Mitglied im Verein. Zugute kam Eggert Woost auch, daß er durch seine Tätigkeit als Verwaltungsleiter der Landesbildstelle Hamburg zahlreiche Filmschaffende wie J.A.M. Borgstädt, Bodo Menck, Gyula Trebitsch, Alfred Ehrhardt, Rudolf Kipp und andere mehr persönlich kannte und über weitreichende Kontakte zu anderen Einrichtungen aus dem Medienbereich verfügte.

 

Seit den siebziger Jahren hatte er mehrfach den Versuch unternommen, detailliert alle historischen Hamburg-Filme mit Angabe der Regisseure, des Inhalts und der Länge aufzulisten. In den achtziger Jahren baute Eggert Woost dann neben seiner Verwaltungstätigkeit zielstrebig das Landesfilmarchiv gleichsam in Eigenregie auf, da er feststellen mußte, daß es in Hamburg keine Institution gab, die sich mit der Sammlung und langfristigen Sicherung historischer Filmstreifen mit Lokalbezug befaßte. Aus dieser Arbeit entstand schließlich im Jahre 1992 ein dickleibiges Findmittel mit dem prägnanten Titel „Filmdokumente zur Geschichte Hamburgs“. Auf 320 Seiten waren hier erstmals alle wichtigen kinematographischen Kostbarkeiten aufgelistet; ein umfangreiches Register, geordnet nach Personen, Sachthemen und Filmtiteln, erleichterte den Zugriff. Diese Pionierarbeit fand Beachtung und Anerkennung über die Grenzen Hamburgs hinaus. Der Filmkritiker und Filmemacher Hans-Christoph Blumenberg übertrug ihm 1988 in seiner liebevollen Hans-Albers-Hommage „In meinem Herzen, Schatz“ mit Sicherheit nicht zufällig die kleine Rolle eines Archivars, denn diese Funktion füllte er mit wahrer Hingabe und Leidenschaft aus: Das Sammeln von historischen Filmen, das Retten eben dieses Materials vor der Vergänglichkeit und dem allgemeinen Vergessen, war eines seiner Hauptanliegen. Diesem Vergessen versuchte er auch mit seinen Sonntagsmatineen im Abaton- Kino gegenzusteuern, wo er regelmäßig Kostbarkeiten aus den letzten 100 Jahren Hamburgischer Kinogeschichte vorführte. Diese anfangs eher spärlich besuchten Veranstaltungen wurden alsbald durch Mundpropaganda zu einem großen Erfolg, so daß auch andere Kinos wie das „Alabama“, das „B-Movie“, das „Metropolis“, die „Zinnschmelze“ und das „Zeise“-Kino ihn baten, ähnliche Reihen zu veranstalten.

 

Noch gut erinnere ich mich daran, wie begeistert Eggert Woost war, als wir erst vor einigen Wochen gemeinsam die uns überlassenen Filmschnipsel zu den „Vera-Filmwerken“ (siehe auch Rubrik „Aus dem Verein“ in diesem Heft) im Landesmedienzentrum an einem Schneidetisch sichteten und mit welcher routinierten Sicherheit er dann diese Filmfragmente wieder in eine geordnete Reihenfolge brachte. Etliche Stunden kostete uns das gemeinsame Bemühen, das nur wenige Minuten umfassende Filmmaterial neu zusammenzukleben und somit für die Nachwelt zu erhalten. Besonders stolz war er auch über seine Mitarbeit an dem Dokumentar-Videofilm „Der Krieg ist vorüber“ der Gemeinwesenarbeit St. Pauli-Süd (GWA), der 1997 von nichtprofessionellen Filmemachern und Zeitzeugen fertiggestellt wurde. Bundesweites Aufsehen erregte Eggert Woost etwa zur gleichen Zeit mit der Wiederentdeckung der letzten erhaltenen Filmkopie der Dokumentation „Die Pamir“ von Heinrich Klemme, den er bei einem Trödler im Hamburger Stadtteil Langenhorn - zusammen mit einem umfangreichen schriftlichen Nachlaß - aufstöberte. Noch bis in den Juli dieses Jahres hinein bemühte er sich, das Dutzende von Metern umfassende Schriftgut des längst und erbenlos verstorbenen Hamburger Filmemachers Klemme und seiner „Deutschen Spiel- und Dokumentar-Filmgesellschaft“ zu ordnen. Eggert gelang mit der ihm eigenen Zähigkeit, vom Nachlaßverwalter alle Verwertungsrechte übertragen zu bekommen. Auch tausende Fotos der legendären „Pamir“ gehören u.a. dazu. Leider konnte er sein Vorhaben, aus diesem Material eine eigene Ausstellung zusammenzustellen, nicht mehr realisieren.

 

Den Kampf gegen die heimtückische Krankheit, den Eggert Woost bereits seit längerer Zeit mit großer Tapferkeit und Würde führte, verlor er schließlich am 1. September 1999. Sein engagiertes Wirken für die Belange der Hamburgischen Filmgeschichte wird unvergessen bleiben und uns gleichzeitig als Vorbild dienen. Auch wenn er die Realisierung seines Wunschtraumes, die Errichtung eines eigenständigen, unabhängigen Filmmuseums in Hamburg, nicht mehr miterleben konnte, werden wir alles versuchen, um dieses Ziel eines Tages in seinem Sinne zu verwirklichen.

 


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