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Eggert Woost – ein persönlicher Nachruf

Von Till Heidenheim

Eggert kannte ich seit 1971, als ich nach Hamburg zur alten ATLANTIK an den Melhopweg in HHOhlstedt kam. Er verkörperte für mich als Quiddje den typischen Hamburger im positiven Sinne: Abwägend, ruhig zunächst zurückhaltend, guter Zuhörer, freundliches Wesen, hilfsbereit. Gleich fiel mir eine besondere Eigenart auf, die ich bis zu seiner Krankheitsverschlimmerung in den letzten Monaten immer wieder an ihm beobachtete: Eggert war ein unruhiger Typ. Langsames Fortbewegen war ihm fremd, er ‘flitzte’ stets, was mir als Ex-Rheinländer sehr lag, vom Naturell her. Im Gegensatz zu mir analysierte er zuerst sein Denken und handelte dann zielsicher. Seine Vorträge waren geschliffen, bei öffentlichen Vorführungen entwickelte Eggert eine ganz besondere Art von norddeutschem Humor, er machte das alles so liebevoll - und seine Zuhörer spürten, wie er so richtig in seinem Element war, wenn er seine filmischen Hamburgensien der Öffentlichkeit präsentierte.

 

Als ich im August 1993 von der Eröffnung des Filmmuseums Düsseldorf, meiner früheren Heimatstadt, nachhause in den geliebten Norden fuhr, stellte ich mir urplötzlich die Frage, ob und wo denn Vergleichbares in Hamburg oder im norddeutschen Raum bestünde. Was lag näher, als sofort Eggert Woost anzurufen. Der hörte sich meine typisch rheinische Begeisterung ruhig an. Völlig überraschte mich aber Eggert, als er gleich am nächsten Morgen mit seinem Chef, Dr. Joachim Paschen, zu mir in mein damaliges Büro im Medienhaus Ottensen kam. Ich erinnere mich noch gut, daß wir gleich stundenlang zusammenblieben und unsere damals vagen Vorstellungen austauschten, irgendwann auch so etwas in Hamburg aufzuziehen. Motto von Eggert: Im Fadenkreuz zwischen Düsseldorf und Kopenhagen, Potsdam und London gibt es noch nichts dergleichen hier, also müssen wir uns darum kümmern!

 

Das war die eigentliche Geburtsstunde des gemeinsamen Museumsgedankens.

 

Gesagt, getan. Mitstreiter fanden wir schnell: Heiner Roß, Werner Grassmann, Wolfgang Esterer, Michael Kuball, Prof. Franz Winzentsen, Michael Eckelt und Thorsten Teichert als Chefs der beiden großen Gruppierungen Filmstadt Hamburg e.V. und Hamburger Filmbüro, den bekannten Filmanwalt Voss-Andreae, Ulrich Hagen (AV Medien Nord) u.v.w.m. waren ganz unserer Meinung, daß unbedingt etwas getan werden müsse. Baldige Dämpfer seitens der zuständigen Behörden hinsichtlich erhoffter Finanzhilfen konnten unseren Elan nicht bremsen. Wir bereiteten in der Folge als neue Freunde und Gleichgesinnte den Weg. Am 5. Mai 1994 fanden sich schon 18 Filmleute aller Couleur aus der Hamburger Filmszene im Sitzungssaal der Landesbildstelle (heute Landesmedienzentrum genannt) in der Kieler Straße zusammen. Eggert hatte dazu eingeladen. Diese Zusammenkunft ist festhaltenswert, weil nach den vielen Gesprächen zuvor in kleineren Gruppen feststand, daß kein Weg an einer Vereinsgründung vorbeiführt. Eggert leitete mit dem ihm eigenen spröden Charme und trockenen Humor bravourös die Sitzung. Jemand schlug dann Woost als ersten Vorsitzenden vor, einstimmig und ohne Diskussion wurde er dazu berufen.

 

Eggert, der abwägende Hanseat und Pragmatiker, Till Heidenheim mit seinem stürmischen Temperament, kamen sich in der Folge über die gemeinsame Begeisterung menschlich schnell näher. In den vergangenen Jahren empfanden wir uns häufig als „Zwillinge“, weil so viele gemeinsame Ideen, Betrachtungen, menschliche Einschätzungen zwischen ihm und mir zu verblüffenden Übereinstimmungen führten. Wir wurden richtige Freunde.

 

Ich habe Eggert nie verübelt, wenn er versuchte, meine angeborene rheinische Mentalität - sicher mitunter unpassend unter Norddeutschen - zu bremsen und mir half, hier die richtige Tonart zu treffen. Wir ergänzten uns halt immer wieder so toll. Eggerts nette, vermittelnde, ausgleichende Art, seine menschliche Größe, bleiben nicht nur mir unvergessen. Er machte übrigens nie einen Hehl aus seiner Erkrankung, die er seit 4 Jahren mit sich herumtrug. Gekämpft hat er dagegen bis zuletzt. Seinen Ärzten vertraute er voll. Unauffällig, wie es Eggerts Art war, verschwand er hin und wieder ins Krankenhaus, informierte seine Kollegen stets und ließ sich hinterher sofort von uns berichten. Am 30. August 1999, zwei Tage vor seinem Ableben, übergab Eggert Woost seinen Vorstandskollegen Volker Reißmann und mir mit Erläuterungen alle bei ihm befindlichen Vereinsunterlagen. Vom nahen Krebstod gezeichnet brachte Eggert es noch fertig, eine tags zuvor mühsam gekritzelte Rücktrittserklärung vom Vorsitz mit Übergabe an seinen Stellvertreter zu überreichen; korrekt und pflichtbewußt bis ans Sterbelager zuhause ...

 

Erschüttert hörten wir kurz danach von seiner Ehefrau Thea, daß Eggert in der Nacht vom 31. August auf den 1. September friedlich eingeschlafen war. Wir nahmen Abschied vom ihm am 10. September 1999 im Rahmen einer würdevollen Trauerfeier. Eggerts letzte Ruhestätte wird die Nordsee sein, die er so liebte.

 

Wir verloren viel zu früh einen filmbesessenen Freund, in dessen Sinne wir weitermachen, denn sein Museumskind soll leben und weiterwachsen, um eines Tages Realität zu werden.

 


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