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Aus dem Verein

Von Eggert Woost

Dank einer privaten Schenkung erhielt unser Verein im April den Nachlaß von Karl Stargardt. Der am 14. März 1904 in Hamburg geborene Stargardt arbeitete nach dem 2. Weltkrieg als selbständiger Filmkaufmann und richtete in der Graf-Goltz-Kaserne in Rahlstedt zusammen mit dem Wiesbadener Filmproduzenten Eugene A. Borkum ein Produktionsbüro ein. Für Borkums Firma „Internationale Filmkunst GmbH“ (Sitz: Wiesbaden und München) schloß Karl Stargardt diverse Künstlerverträge für den Film „K - Das Haus des Schweigens“ ab. Den schriftlichen Unterlagen des Nachlasses ist zu entnehmen, daß das Projekt ständig an akuter Finanznot litt und insbesondere die Gagen der Schauspieler (darunter: Ernst Deutsch) nur höchst unregelmäßig gezahlt wurden, was mehrfach fast zum Abbruch der Dreharbeiten geführt hätte. Stargardt verlegte sich später auf die Produktion weniger risikoreicher Dokumentar- und Kulturfilme. Der Drehbuchautor und Regisseur Heinrich Koch inszenierte für ihn „Emil Nolde“ und „Ein U-Boot wird gehoben“ (beide 1957), kurz darauf entstanden „Unsterbliches Montmartre“ und „Rund um Sacre Coeur“ (beide 1958). Von diesen Filmen besitzen wir nun mehrere vorführfähige 35- mm-Kopien. Aufgrund der Krise der Filmwirtschaft und wohl auch wegen seines fortgeschrittenen Alters trat Stargardt in den 60er Jahren nicht mehr mit neuen Filmprojekten in Erscheinung. Er starb am 14. Juli 1988 in Hamburg.

 

Für unseren Verein von besonderem Interesse war jedoch eine zu diesem Nachlaß gehörende, unscheinbare Pappschachtel mit einigen 35-mm-Filmfragmenten. Es stellte sich nach der Sichtung auf einem Schneidetisch im Landesmedienzentrum heraus, daß es sich bei diesen Fragmenten um Teile einer Werbeproduktion der Hamburger „VERA-Filmwerke A.-G.“ aus dem Jahre 1925 handelte. Einige Filmmeter waren viragiert (also eingefärbt) und der Trickfilm-Nachspann mit dem Firmenlogo (das einen aufgehenden Mond über der Binnenalster zeigt) sogar Bild für Bild handkoloriert. Die VERA-Filmwerke an der Alsterkrugchaussee Nr. 192-202 bestanden von 1919 bis 1930 und waren die einzige Produktionsstätte für Filme aller Art in Hamburg in den 20er Jahren. Der nach dem Zusammenkleben der einzelnen Filmfragmente rund 5 Minuten lange Werbestreifen (ca. 210 m) beginnt mit einem Luftbild des Firmengeländes und zeigt dann Innenaufnahmen des Aufnahmeateliers. Ferner werden die technischen Räume mit den Trockengestellen für entwickeltes Filmmaterial, die Entwicklertanks, der Schneideraum, der Bildwerferraum mit Filmprojektor und ein „Filmtresor“ mit vergitterten Fenstern und Stahlschränken für die Aufbewahrung der fertiggestellten Produktionen gezeigt. Diese Aufnahmen dürften von der VERA zur Eigenwerbung gedreht worden sein, da das Atelier die Inflationszeit zu Beginn der 20er Jahre zwar überstand, aber finanziell angeschlagen war und sich nach einigen aufwendigen Spielfilmen nun fast ganz auf die Produktion von Werbe- und Kulturfilmen verlegte (wie Michael Töteberg in einem den VERA-Filmwerken gewidmeten Kapitel in seinem Buch „Filmstadt Hamburg“ schreibt).


Ein schwerwiegendes Problem konnte sofort gelöst werden: Da die Filmfragmente aus hochbrennbarem Nitrozellulose-Material bestehen, nahm unser Verein Kontakt zum Bundesarchiv-Filmarchiv auf, welches diesen Streifen sofort in das momentan laufende Umkopierungsprogramm auf Sicherheitsfilm miteinbezog. Auch Helmut Regel, zuständiger Referent beim Bundesarchiv- Filmarchiv, zeigte sich nach eigenem Bekunden von dem Material sehr angetan, weil in den Fragmenten sehr schön der Studiobetrieb in einem der relativ seltenen Glasdachateliers (d.h. ein Studio mit natürlicher Beleuchtung) zu sehen sei. Auch konnte Oberarchivrat Regel anhand des benutzten AGFAMaterials das Herstellungsjahr mit ca. 1925 einkreisen. Inzwischen hat unser Verein von diesem Material auch eine Beta-SP und VHS-Videokopie anfertigen lassen, so daß von interessierter Seite jederzeit die Möglichkeit besteht, sich den Streifen anzuschauen.


Ferner übergab uns Prof. Gyula Trebitsch Teile seiner Pressedokumentation aus den letzten Jahrzehnten als Depositum. Bodo Menck (siehe „Hamburger Flimmern“ Nr. 1/95) überließ unserem Verein viele wertvolle Exponate aus seiner langjährigen Tätigkeit als Industrie- und Kulturfilm-Regisseur (darunter Storyboards, Filmplakate, Fotoalben, Presseauschnitte und eine Askania-16mm-Filmkamera mit Stativ). Daneben erreichten uns etliche kleinere Schenkungen und eine Tauschaktion mit Doubletten aus unserer Sammlung der „Illustrierten Film-Bühne“ brachte auch in diesem Bereich einen erheblichen Zuwachs.

 


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