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Lossau's Cinematographisches Curiositäten-Cabinett

Viel erprobt, doch kaum gebaut: Filmkameras von Rollei

Von Jürgen Lossau

Sicher, der Name „Rollei“ ziert so einige Filmkameras. Doch die, die zwischen Januar 1970 und Dezember 1974 auf dem Markt waren, stammen von Bosch/Bauer. Nach den ganz in schwarz gehaltenen Super-8-Kameras folgten zwischen Juni 1975 und Anfang 1978 silberne Klappgriffkameras, die Japans größter Filmkameraproduzent Chinon für „Rollei“ fertigte. Erst ganz zum Schluß, als sich die Super-8-Ära bereits verdunkelte, kam „Rollei“ mit zwei selbst entwickelten Tonfilmkameras auf den Markt. Insgesamt verließen das Braunschweiger Werk nur 3.800 Stück der störanfälligen Modelle „Movie Sound XL 8 macro/XL 12 macro“. In den Schubladen der Entwickler schlummerten hingegen schon seit 1957 so einige Kamera-Dummies, die leider nie das Licht der Schmalfilmwelt erblickten. Posthum sollen sie hier noch einmal zu bestaunen sein, bevor sie im Städtischen Museum Braunschweig wieder zum langen Schlummer in staubigen Magazinen verstaut werden.

 

Die schrägste Entwicklung stand gleich am Anfang. 1957 ersann der Rollei-Konstrukteur Helmut Finke eine Breitbild-Filmkamera. Dabei läuft der Film nicht etwa, wie üblich, vertikal am Bildfenster vorbei, sondern horizontal. Das ist so anders, daß man es schon abgebildet sehen muß, um es nachvollziehen zu können. Die 30-Meter-Spulen für 16mm-Film werden auf beiden Seiten der Kamera eingesetzt. Nach der Belichtung sollte der doppelseitig perforierte Streifen in der Mitte auseinandergeschnitten werden - wie vom Doppel-8-Film her bekannt. Doch ein skurill wirkendes Phänomen stoppte die Entwicklung. Laufstreifen, die bei häufiger Projektion eigentlich in Laufrichtung auf dem Film entstehen, tauchten jetzt als Störstreifen quer übers Bild auf - ähnlich dem Zeilenflimmern, wie man es vom Fernseher her kennt.

 

Ein mindestens ebenso schrilles Gerät ist die Entwicklung „Rollei duo“. 1975 entworfen von Günter Adamski, stellt diese Spiegelreflexkamera eine Mischung aus Pocket-Fotoapparat und Super-8-Filmmaschine dar. Wer damit Fotos schießen will, muß nur einen Rändelknopf drehen, schon fällt das Licht durch die Optik auf den 110er-Kassettenfilm. Wird das Rändelrad zurückgedreht, kann gefilmt werden. Eine echte Marktlücke für Urlaubsknipser, die gleichzeitig Gelegenheitsfilmer sein wollten. Eine Marktlücke allerdings, die „Rollei“ zu schließen verpaßt hat.

 

Zwischen den beiden Entwicklungen standen drei Normal-8-Kameraprototypen von Kurt Bode. Zwischen 1960 und 1964 entwickelte er Kameras, die in ähnlicher Weise von der Firma Agfa gebaut wurden. Daran war nichts sonderlich Innovatives und bei „Rollei“ überlegte man denn auch so lange, ob man in den Filmkameramarkt einbrechen sollte, bis plötzlich schon Kodak mit Super-8 vor der Türe stand.

 

Auch ein paar Filmprojektoren gibt es, auf denen der „Rollei“-Schriftzug prangt. Doch auch diese Geräte stammten bis 1977 aus der Fertigung der Stuttgarter Bosch-Tochter Bauer beziehungsweise dem Silma-Werk in Turin. Nur der letzte Tonfilmprojektor, der von Juli 1977 bis Ende 1979 in den Handel gelangte, wurde bei Copal Sekonic in Japan zusammengeschraubt. Diesen „Rollei P 8400 S“ gibt es übrigens auch mit der Aufschrift „Voigtländer Dynalux 8 sound“. Nur daß das helle Rollei- Gehäuse hier dunkel und ein wenig kantiger ist.

 

Weitere Informationen:
„Rollei Report 4“ von Claus Prochnow, 1997, ISBN 3-89506-170-0, Lindemanns Verlag, Postfach 103051, 70026 Stuttgart

 


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