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Lebende Bilder in Hamburg

Von Eggert Woost 

Bekanntlich beginnt die Ära der öffentlichen Kinodarbietungen im Jahre 1895 mit den Uraufführungen von Lumiere in Paris und Skladanowsky in Berlin. Doch schon lange vorher konnten die erstaunten Hamburger „Nebel-Bilder" nach verschiedenen Erfindungen und Verfahren bewundern.

Aus der alten Zauberlaterne, der Laterna magica, hatte sich ab etwa 1820 der Nebelbildapparat entwickelt. Gegenüber der bisherigen Petroleumfunzel bekam man ab 1930 durch Verwendung des Kalklichtes (Kalkstück als Glühkörper, das durch Zuführung von Sauerstoff und Leuchtgas eine intensive Stichflamme liefert) ein viel helleres Bild. Damit ließen sich Bewegungs-, Beleuchtungs- und Überblendszenen mit Hilfe von Doppelprojektoren oder von mehreren beweglichen Projektoren sehr wirksam auf die Leinwand bringen. Der „Nebel" entstand dadurch, daß man das Objektiv in den Unschärfebereich drehte, die Vorlage wechselte und dann, sozusagen aus dem Nebel heraus, das neue Bild scharfstellte.

 

Nebelbilder im Thalia

Im August 1844 lief im Thalia-Theater die „Erste Darstellung der optischen Nebel-Bilder" des Herrn Professor Bück aus London mit Landschaftsbildern bei Tag und Nacht, einem Schiff im Sturm und mit mancherlei Porträts von Clowns, Schauspielern, Lords und Königen. Das Stadttheater ließ sich nicht lumpen und brachte „Döbler's Nebel-Bilder" nach Donizettis komischer Oper „Der Liebestrank". Thalia entgegnete darauf mit „Professor Schott's Ansichten aus allerlei europäischen Städten". Obwohl es vielfach auch „Exotisches und Erotisches" gab, war keine Weiterentwicklung mehr zu erwarten und der Publikumsandrang ließ stark nach. Die Nebelbilder wurden mehr und mehr zur Jahrmarktsdarbietung, die z.B. bei einer Schaustellung in der Vorstadt St. Pauli 1861 nach „ägyptischer Zauberei" und „berühmtem Zwerg" erst in der „Dritten Abtheilung" liefen.

 

Mehr versprachen 1895 Neuentwicklungen wie Edisons Kinetoskop, nach einem Pressebericht „mit lebensgroßer Projektion und außerordentlich scharfer Wiedergabe", und das Kinetophon, das mit Hilfe von Edisons Phonographen nicht nur Personen lebend zeigte, „sondern auch ihre Sprache, ihren Gesang etc. zu gleicher Zeit ertönen" ließ. Im Dezember begann in der Kaiser-Wilhelm-Straße eine Automaten-Gesellschaft des Kölner Schokolade-Fabrikanten Stollwerck Vorführungen mit Skladanowskys Bioscop.

 

Nach der Premierenveranstaltung der Gebrüder Skladanowsky im Berliner Wintergarten am 1. November 1895, der ersten öffentlichen und gegen Eintritt veranstalteten kinematographischen Vorführung in Europa, wurde Film in Deutschland populär. Man sah erstmals eigenhändig aufgenommene Bilder auf einem transparenten Schichtträger aus Celluloid. Vorgeführt wurde mit dem Bioscop, einem von Max Skladanowsky erfundenen Apparat. Das starke Flimmern der mit 8 B/sec. aufgenommenen Filme überwand er, indem er einen Doppelprojektor entwickelte, der aufeinander folgende Einzelbilder abwechselnd durchleuchtete. Die Einzelbilder bestanden aus belichteten Celluloid-Plättchen, die beidseitig mit Metallösen gesichert waren. Das Verfahren war etwas schwerfällig und die Vorführung recht laut.

 

Lebende Photographien der Gebrüder Lumiére

Am Pfingstmontag 1896 zeigte man in der Kaiser-Wilhelm-Straße erstmals die „Lebende Photographie, dargestellt durch den Kinemathograph Lumiere". Die einfachere und sicherere Kinotechnik, verbunden mit der Verwendung des von Edison erfundenen 35mm Filmbandes und einer beidseitigen Perforierung, sollte sich mit Verbesserungen bis heute behaupten.

 

Eberhard Knopf gilt in Hamburg als der erste, der ab 1900 Vorführungen mit festen Anfangszeiten in einem eigenen Lichtspiel-Haus am Spielbudenplatz 21 mit zunächst 317, später mit 361 Sitzplätzen anbot. 1906 zog er in das Nebengebäude Spielbudenplatz 19, das schon 667 Zuschauer aufnahm. Er war jedoch bei weitem nicht der einzige, der damals in Hamburg Filme vorführte. Aber im Gegensatz zu den vielen anderen Filmdarbietern in Lokalen und auf Rummelplätzen gelang es der Familie Knopf, das Kino bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg weiterzuführen. Mit der Einführung eines festen Programms in den zwanziger Jahren endete praktisch die Frühzeit des Kinos in Hamburg.


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