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Eberhard Knopf

Lichtspieltheater-Pionier (geb. 1858, gest. 1945)

 

Leopold Wilhelm Georg Eberhard Knopf wurde am 24. April 1858 in Wernigerode bei Halberstadt als Sohn von Leopold Wilhelm Eberhard Knopf und Henriette Christiane Knopf (geb. Riemenschneider) geboren. Mit seiner Frau Alwine Karoline Johanna (geb. Schmidt) hatte Knopf einen Sohn, Friedrich Ludwig Leopold, sowie eine Tochter, Alwina Hertha Sophie. Die Tochter starb jedoch bereits im Alter von knapp sechs Jahren aus unbekannten Gründen. Am 3. November 1908 wurde Knopf in den Hamburgischen Staatsverband aufgenommen. Die Angaben zu den Berufen, die Knopf ausübte, variieren. Er war vermutlich sowohl Kaufmann als auch Schmiedemeister und Schankwirt. Bis 1900 betrieb er im Haus Spielbudenplatz 21 in St. Pauli „Eberhard Knopf's Konzert und Automatenhaus”, in dem unter anderem das „Weltwunder Australiens" und der „größte Mann der Welt” zu sehen waren. Am 20. Februar 1900 konnte er seinem Publikum jedoch eine neue Sensation vorführen: das „Lebende Laufbild". Die Zuschauer dieser ersten Vorführung nahmen hinter den üblichen Biertischen Platz und bekamen dann insgesamt drei kleine Filme mit einer Länge von 25 bzw. 30 Metern zu sehen: Die Ankunft eines Eisenbahnzuges, eine Einschiffung auf hoher See sowie ein Bauern-Wettreiten. Das Publikum war begeistert, und so gründete sich Hamburgs erste ständige Filmbühne mit dem Namen „Knopf's Lichtspielhaus”. Das Programm der nächsten Vorführung bezog sich bereits auf aktuellere Themen - gezeigt wurden die „Ankunft des deutschen Kaiserpaares in Jaffa” und der „Einzug in Jerusalem". Auch die Filmlänge hatte sich mit 60 bzw. 80 Metern bereits mehr als verdoppelt. Einen regelmäßigen Programmwechsel gab es in dieser Zeit allerdings noch nicht. Die Filme mussten von den Kinobetreibern käuflich erworben werden und liefen in der Folge bis zu ihrer Unbrauchbarkeit.

1902 wurde „Robinson Crusoe” gezeigt, ein Film der mit seiner Länge von 625 Metern alles bisher gezeigte in den Schatten stellte. In der Folgezeit liefen unter anderem „Dramen” wie der „Raub einer Grafentochter durch Zigeuner” sowie Kriegs- und Ringkampffilme. Das Filmtheater erfreute sich so großen Zuspruchs, dass die Räume am Spielbudenplatz 21 trotz der 600 Sitzplätze bald zu klein wurden. Knopf erwarb Nachbarhäuser, in denen ehemals die „Spiegelsäle” sowie die „Hagenbeck'sche Raubtierschau” untergebracht waren. Das Kino, das sich nun in den Häusern Spielbudenplatz 19 und 20 befand, konnte die Zahl seiner Sitzplätze auf 1100 erhöhen und verwandte bei den Vorführungen die neueste Technik der damaligen Zeit. Bei den Vorführungen kam der „vollkommenste Vorführapparat der Neuzeit” der Leitz-Werke aus Wetzlar zum Einsatz, und im Winter sorgte bereits früh eine „Oelfeuerung” für das Wohlbefinden des Publikums. 1919 überführte Knopf sein Unternehmen in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Das Stammkapital der Gesellschaft betrug M. 30.000, Gesellschafter war weiterhin Knopf. Nur sieben Jahre später wurde die Gesellschaft jedoch aufgelöst, Liquidator war Knopf persönlich. Das Kino wurde jedoch von Martha Struckmeyer, zusammen mit ihrem Mann, fortgeführt; Eberhard Knopf starb am 2. Mai 1945 in Bergedorf. Die Bombardierungen während des Zweiten Weltkriegs überstand das Haus fast unbeschadet, so dass es bereits am 27. Juli 1945 wiedereröffnet werden konnte. Zwanzig Jahre später eröffnete im selben Gebäude ein Eros-Cine-Center. 1974, nach einem kurzen Intermezzo als "Hollywood-Kino" für Filmklassiker-Vorführungen erfolgte schließlich der Umbau zu einer Diskothek, die sich auch heute noch in dem traditionsreichen Gebäude befindet.

 

(Quelle / Fotos: Staatsarchiv Hamburg)


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