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Mega-Publicity für ein Militärspektakel: „Die Luftschlacht um England“

Ein Musterbeispiel für eine große Werbekampagne zum Start eines Kinofilms lieferte das britisch-amerikanische Kriegsdrama „Battle of Britain“ (deutscher Kinotitel: „Die Luftschlacht um England“). Erfolgsproduzent Harry Saltzmann („James Bond“) und die PR-Agenten des Verleihs „United Artists“ leisteten rechtzeitig vor der deutschen Premiere am 18. September 1969 ganze Arbeit. Bereits am 4. September, zwei Wochen vor dem offiziellen Filmstart, fand sich auf der Titelseite des „Hamburger Abendblatts“ die Meldung „Peter Townsend heute im Luftwaffenmuseum“, der noch ein langer Bericht auf Seite 3 folgte. Demzufolge hatten sich gleichen Tag auf dem Luftwaffenstützpunkt Uetersen bei Hamburg zwei ehemalige Kriegsgegner getroffen: Peter Townswend, britischer Oberst a.D. und inzwischen Schauspieler, sowie der deutsche Oberst Werner Dedekind, Kommandeur des Fluganwärter-Regimentes in Uetersen. Der von König Georg VI. persönlich ausgezeichnete ehemalige britische Kampfflieger Townsend, der zeitweise mehr Aufsehen durch seine Affäre mit der englischen Prinzessin Margaret als durch seine Filmrollen erregt hatte, besuchte zwei Tage lang die Hansestadt. Der als höflich, zurückhaltend und vorsichtig geschilderte Schauspieler machte geschickt Werbung für das 73 Millionen teure Werk und gab der Presse lange Interviews, wobei er sich bezüglich seines inzwischen in wohlgeordneten Bahnen verlaufenden Privatlebens eher zugeknöpft zeigte, dafür aber umso ausführlicher militärtaktische Fragen beantwortete. Die Journalisten bescheinigten dem Film, in dem auch Sir Laurence Olivier, Curd Jürgens, Robert Shaw, Trevor Howard, Christopher Plummer, Ian McShane und Michel Caine mitspielten, übrigens nach der Pressevorführung das Bemühen um Authentizität. Es wurde aber auch Kritik geübt, beispielsweise an der Verzeichnung der Figur des deutschen Luftmarschalls Hermann Göring: Der Hamburger Schauspieler Hein Riess, der ihn verkörpere, habe mit ihm „nur die Leibesfülle“ gemeinsam, wie ein Rezensent schrieb. Weitere Publicity-Aktionen folgten in den nächsten Tagen. So wurde u.a. versucht, den Verlauf der legendären Schlacht mit kleinen Modellflugzeugen nachzustellen. Am Donnerstag, den 18. September 1969 erschien dann schließlich wohl eine der größten Kinoanzeigen, die jemals in einer Hamburger Zeitung abgedruckt wurde: Eine komplette halbe Seite wies im "Hamburger Abendblatt" auf den Filmstart und die abendliche Premiere im Filmtheater „Die Barke“ an der Mönckebergstraße hin, die allerdings „bereits ausverkauft“ sei, wie sogleich mitgeteilt wurde.  Der zusätzlich angebrachte Werbespruch „Der jungen Generation zum Verständnis und zur Mahnung“ sollte vermutlich militärkritische Skeptiker beruhigen. Abendblatt-Redakteur Günther Genske berichtete am folgenden Tag von der Premiere: „Ein Bundeswehr-Musikkorps spielte auf […] Bevor im Kuppelsaal der Barke des Licht erlosch, ließ Major Marrenbach seine Mannen den Richthofen und den Royal-Airforce-Marsch blasen. Einige Herren im dunkelblauen Ziviltuch (Premierenanzug) klopften mit den Fingern den Rhythmus auf den Sessellehnen mit und nickten sich zu wie damals von Cockpit zu Cockpit im Formationsflug über Englands nassem Glacis. Viele Kanalflieger waren gekommen – etwas betagt, etwas füllig, etwas schütter – aber herrlich zivil. Für sie war der Film Rückblende, nicht Unterhaltung, Erinnerung an eine harte unsinnige Zeit“. Der Anfangserfolg des pompösen Schlachtengemäldes auf Zelluloid war in den bundesdeutschen Kinos damals teilweise recht beträchtlich; als filmischer Dauerbrenner oder cineastischer Evergreen sollte er allerdings schließlich - zumindest in Deutschland – nicht in die Filmgeschichte eingehen.

 


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