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Eine Filmpremiere mit handfestem Skandal

Ein Schauspieler, mit einer jüdischen Kollegin verheiratet, wird von den Nazis unter Druck gesetzt. Man droht ihm mit Berufsverbot und Schlimmeren, falls er sich nicht scheiden läßt. Als die Eheleute keinen Ausweg mehr sehen, gehen sie gemeinsam in den Tod. Die Geschichte war authentisch: Der Film "Ehe im Schatten" zeichnete das Schicksal Joachim und Meta Gottschalks nach, die in der Nacht zum 7. November 1941 ihrem Leben ein Ende setzten, um der Deportation nach Theresienstadt zuvorzukommen. Kurt Maetzig, Regisseur von "Ehe im Schatten", schuf aus persönlicher Betroffenheit (seine Mutter hatte nach den Nürnberger Gesetzen Selbstmord begangen) einen erschütternden Film. ... Ein paar Monate nach der Berliner Uraufführung kam "Ehe im Schatten" Anfang April 1948 auch in der britischen Zone heraus. Damals lief erstmals ein Film aus der Ostzone im Westen ... Es war keine gewöhnliche Premiere. Im Foyer des Waterloo-Kinos hing das Porträt Gottschalks. Damals waren nicht bloss Regisseur, Darsteller und die übliche Branchen-Prominenz erschienen, sondern auch zahlreiche politisch und rassisch Verfolgte des Nazi-Regimes. Und - uneingeladen, doch von irgendwoher mit Ehrenkarten versehen - Veit Harlan und seine Frau Kristina Söderbaum. Empörung und Entrüstung bei den Premierengästen - dass der Regisseur des antisemitischen Hetzfilms "Jud Süß" sich hierher wagte, war eine ungeheure Provokation. Produzent Walter Koppel, der selbst fünf Jahre im KZ gesessen hatte, informierte den Kinobesitzer Heinz B. Heisig. Der ließ Harlan nach Beginn der Wochenschau herausrufen und setzte ihn kurzerhand vor die Tür. Dem kurz darauf per Brief erfolgten Protest Harlans an den Direktor des Waterloo-Theaters beantworteten Heisig und Koppel mit offenen Antwortbriefen im Branchenorgan "Film-Echo". Der Film gehört noch heute zu den erschüttersten Werken jener Zeit gegen die Untaten der NS-Diktatur, die sich damals auch als ungemein wirksam erwies. (Text: Michael Töteberg, Filmstadt Hamburg, 1997) Bildberichterstatter Horst Janke fotografierte kurz vor der Uraufführung die mit einem großem Plakat geschmückte Fassade des Waterloo-Theaters.




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