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Hamburger stürmen Skandalfilm

Am 1. April 1947 hatte Rolf Meyer in dem Heidedorf Bendestorf direkt vor den Toren Hamburgs eine eigene Filmproduktion mit Namen "Junge Film-Union" gegründet und zunächst in einem Gasthof ein provisorisches Atelier eingerichtet, dass bald zu einem richtigen Filmstudio erweitert wurde. Nach einigen belanglosen und heute weitgehend in Vergessenheit geratenen Produktionen entstand dort ein Film, der zu einem Skandal führte, der wie kein anderer das (filmische) Nachkriegsdeutschland erschütterte: Der schon vor dem 2. Weltkrieg durchaus bekannte und renommierte Regisseur Willi Forst verursachte ihn mit seinem ersten Nachkriegsfilm. Es war aber wohl nicht nur allein der Busen von Hildegard Knef, der einmal ganz kurz nackt zu sehen ist, sondern weil die mit der Spruchpraxis der "Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft" (FSK) nicht einverstandenen Kirchen ihre Mitarbeit in diesem Gremium bis zu deren Reorganisation demonstrativ einstellten. Die hierdurch ausgelösten Proteste kirchlicher und politischer Kreise machten "Die Sünderin" schließlich zum Kassenerfolg. Gründe für die Proteste waren laut "Lexikon des Internationalen Films" der Freitod der jungen Frau und, mehr noch, "die durch den Film scheinbar widerstandslos bejahte Euthanasie-Debatte; eines der vielen düsteren Kapitel des Dritten Reiches". 

 

In der Geschichte, die der Film erzählt, ging es um ein Mädchen, gespielt von Hildegard Knef, dass in den frühen Nachkriegsjahren aus widrigen Lebensumständen heraus zur Prostituierten wird. Erst ihre große Liebe zu einem Kunstmaler, der an Gehirntumor erkrankt ist, ändert schließlich ihr Leben. Sie übernimmt hingebungsvoll seine Pflege und löst aufkommende Finanzprobleme durch eine kurzfristige Rückkehr zu ihrem ehemaligen Gewerbe. Dem inzwischen erblindeten Maler erspart sie die letzten Qualen, indem sie ihn vergiftet -  und wenig später folgt sie dem Geliebten freiwillig in den Tod. Allen Protesten der Kirchen zum Trotz (oder gerade deswegen?) war das Interesse des Publikums an dem Film riesengroß. Das Foto von Horst Janke zeigt, wie wahre Heerscharen anläßlich der Premiere des Film am 19. Januar 1950 zum damals neuen "Esplanade"-Kino am Dammtor stürmten - wobei nur die wenigsten auch schon am Premierentag in den Genuss einer Eintrittskarte kamen, denn die Vorstellung war schon seit längerem nahezu restlos ausverkauft. Immerhin rettete der Erfolg des Films, den der Klerus fast zur Raserei trieb (katholische Filmblätter rieten beispielsweise drastisch vom Kinobesuch ab), die finanziell bereits angeschlagene "Junge Film-Union" Meyers zumindest einige Zeit vor dem Zusammenbruch. Gedreht wird in den Bendesdorfer Studios, denen von Branchenseite immer mal wieder das Aus prognostiziert wird, übrigens noch heute, allerdings überwiegend nur kleinere Werbefilme.

 


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