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Eine Filmparabel zum Vietnamkrieg hat Premiere

Am Freitag, den 5. März 1971, lief in zwei Hamburger Kinos der angeblich "härteste Film aller Zeiten" an: Der amerikanische Western "Das Wiegenlied vom Totschlag". Regisseur Ralph Nelson war höchstselbst aus Hollywood angereist, um den Film kurz vor dem Start im Foyer des "MGM-Waterloo-Kino" an der Dammtorstraße 14 (direkt gegenüber von der Staatsoper) der versammelten Presse zu präsentieren und Fragen der Journalisten zu beantworten. In seiner Premierenberichterstattung bescheinigte der Abendblatt-Kritiker "M.R." dem Regisseur Nelson wohl die gute Absicht, schonungslos die Greuel des Kriegs aufzeigen zu wollen, mit "deutlichen Anspielungen auf Vietnam". Die realistischen Massakerszenen der Indianerkriege im 'Wilden Westen' vertrage sich aber leider überhaupt nicht mit der Rahmenhandlung, einer lyrisch-heiteren Romanze zwischen dem einfältigen Soldaten Honus (Peter Strauss) und der beherzten Blondine Cresta (Candice Bergen). Die Hoffnungen des US-Filmverleihs Metro-Goldwyn-Mayer auf einen Kassenerfolg sollten sich trotz der großen PR-Kampagne nur bedingt erfüllen; zwar waren die Einspielergebnisse in den ersten Wochen waren laut Branchenorgan "Film-Echo" durchaus vielversprechend, danach ließ das Interesse des Publikums jedoch relativ bald nach. Selbst eifrige Protestierer gegen den Krieg der USA in der Südostasien in den 1960er/1970er Jahren konnten sich mit dem 'Filmkunstwerk' nicht anfreunden, Zeitzeugen berichteten, dass nur wenigen Zuschauern der "vordergründigen Blutorgie" (Filmexperte Thomas Jeier) nicht übel wurde. Jeier schrieb dazu: "Auch wenn dieses Filmmassaker seine historischen Vorbilder in Sand Creek und My Lai [Vietnam] hatte, hätte man von einem guten Regisseur doch einen künstlerischen und eindringlicheren Protest gewünscht, der wahrscheinlich auch einen größeren Effekt gehabt hätte. Es ist nicht damit getan, die Grausamkeit des Krieges in möglichst ekelhaften Bildern zu zeigen, man muss die Auswirkungen auf den Charakter und das weitere Leben eines Volkes verdeutlichen, um das Publikum zu Nachdenken anzuregen. Fließendes Blut erregt einzig und allein Ekel, das Verdeutlichen der inneren Tragik aber setzt sich in den Gedanken des Zuschauers fest." (aus: "Der Westernfilm", München: Heyne 1987). Das traditionsreiche, seit 1906 existierende MGM-Waterloo-Kino in Hamburg wurde übrigens bald darauf vom US-Verleih aufgegeben und schloss nach einiger Zeit Leerstand 1974 endgültig seine Pforten. (Text: V. Reißmann)

 


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